Paula Modersohn-Becker – 150 Jahre und noch immer radikal

Paula Modersohn-Becker, Pionierin der Moderne, wäre 2026 150 Jahre alt geworden. Zu Lebzeiten kaum anerkannt, zählt sie heute zu den einflussreichsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Bremen und Worpswede feiern ihr Jubiläum mit zwei Ausstellungen, die nicht nur ihr Werk, sondern ihre ungebrochene Wirkung auf die Gegenwartskunst beleuchten. Ein Blick auf die Künstlerin, die Porträt, Akt und weibliche Selbstbestimmung neu definierte – und deren Mut, alles zu riskieren, bis heute nachhallt.

Paula Modersohn-Becker – ein Leben voller Brüche

Am 8. Februar 2026 jährt sich der Geburtstag von Paula Modersohn-Becker zum 150. Mal. Bremen und Worpswede, die entscheidenden Orte ihres Lebens, nehmen dieses Jubiläum zum Anlass für große Ausstellungsprojekte, die nicht nur erinnern, sondern neu befragen: Wie wurde aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker? Und warum wirkt ihr Werk bis heute so kraftvoll?

Verkannt, übersehen, gefeiert

Zu Lebzeiten blieb die junge Künstlerin weitgehend unbeachtet. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod erlangte sie internationale Anerkennung. 2024 wurden ihre Werke in New York und Chicago in Einzelausstellungen gefeiert, Ende 2025 erzielte ihr Selbstbildnis nach halblinks bei einer Auktion einen Weltrekord für eine deutsche Malerin. Heute gilt sie als Wegbereiterin des Expressionismus – als Künstlerin, die kompromisslos ihre eigene Sicht auf die Welt malte.

Bremen – wo alles begann

In Bremen verbrachte Paula Becker ihre Jugend. Das Paula Modersohn-Becker Museum würdigt das Jubiläum mit der großen Sonderausstellung BECOMING PAULA (8. Februar bis 13. September 2026). Das Museum, 1927 eröffnet und das erste weltweit, das einer Malerin gewidmet wurde, beherbergt heute die größte öffentliche Sammlung ihres Werks. Hier wird sichtbar, wie Paula Becker zu Paula Modersohn-Becker wurde – zur Künstlerin, zur Ikone, zur Inspirationsquelle.

 

 

Werden und Wachsen: Auf dem Weg zur eigenen Handschrift

Die Ausstellung zeigt rund 70 Gemälde und Papierarbeiten, die den Prozess ihres Werdens nachzeichnen. Es geht nicht nur um das fertige Werk, sondern um den Weg dahin: von den frühen Studien in London und Berlin über die prägende Zeit in Worpswede bis zu den entscheidenden Paris-Aufenthalten, in denen Paula Modersohn-Becker Teil der Avantgarde wurde.

Frühe Werke, die überraschen

Erstmals wird ihr Frühwerk umfassend gezeigt. Studien und Gemälde aus den Jahren 1892 bis 1899 offenbaren eine junge Künstlerin, die bereits während ihrer Ausbildung einen eigenen, selbstständigen Weg suchte. Leihgaben aus Privatsammlungen machen sichtbar, wie sich ihre künstlerische Entwicklung parallel zur akademischen Ausbildung vollzog – ein bisher kaum bekannter Aspekt ihres Schaffens.

Nähe und Abstand – Freundschaften, die prägen

Paulas persönliche und künstlerische Netzwerke waren prägend. Porträts von Clara Rilke-Westhoff, Rainer Maria Rilke, Martha Vogeler, Lee Hoetger oder ihrer Schwester Herma geben Einblicke in enge Beziehungen, die zugleich Antrieb und Herausforderung waren. Freundschaften und Nähe waren Ausgangspunkt, Abgrenzung die Bedingung für künstlerische Freiheit.

 

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Zitrone, 1906/07, Paula-Modersohn- Becker-Stiftung, Leihgabe aus Privatbesitz © Paula-Modersohn- Becker-Stiftung, Bremen
Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Zitrone, 1906/07, Paula-Modersohn- Becker-Stiftung, Leihgabe aus Privatbesitz © Paula-Modersohn- Becker-Stiftung, Bremen

Worpswede, Paris – und der Mut, alles zu riskieren

In Worpswede wurde der Akt zum zentralen Bildthema, zu einer Suche nach Direktheit und Intensität, die ihresgleichen sucht. In Paris entstanden die heute berühmten Bilder von 1906/07 – und Paula Modersohn-Becker fand ihren Platz in der Avantgarde. Eine Rekonstruktion ihres Pariser Ateliers erinnert daran, wie bewusst sie ihre Werke arrangierte und welche Bedeutung sie ihnen zuschrieb.

Vom Werk zur Legende

Paula Modersohn-Beckers Einfluss reicht weit über ihr eigenes Schaffen hinaus. Werke von Georg Baselitz, Chantal Joffe und anderen Künstler*innen zeigen, wie prägend ihr Werk für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ist. Aus der Malerin wurde eine Ikone – und doch bleibt die Faszination am Werk selbst, an seinen Farben, Formen und Figuren ungebrochen.

Ein Dorf voller Resonanzen

Im Künstlerdorf Worpswede greift die Gemeinschaftsausstellung IMPULS PAULA (7. Februar bis 1. November 2026) den Einfluss der Malerin auf. Vier Museen – Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh, Worpsweder Kunsthalle – zeigen mehr als 120 Werke und lassen Besucherinnen entdecken, wie Paula Modersohn-Becker Künstlerinnen bis heute inspiriert.

 

Gesichter, die mehr erzählen

Im Barkenhoff steht das Porträt im Zentrum. Mädchen mit Perlenkette dient als Ausgangspunkt, um zu zeigen, wie Paula Modersohn-Becker den Blick auf den Menschen veränderte. Ihre Bilder fangen das Wesen ein, nicht die Oberfläche, und eröffnen psychologische Tiefe. Historische und zeitgenössische Werke zeigen, wie sich Vorstellungen von Identität und Selbstinszenierung über ein Jahrhundert entwickelt haben.

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901, Privatbesitz © Kunsthandel Wolfgang Werner Bremen/Berlin

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901, Privatbesitz © Kunsthandel Wolfgang Werner Bremen/Berlin

Zwischen Mitgefühl und Beobachtung

Die Große Kunstschau fragt nach den sozialen Dimensionen ihrer Werke: Wie verhält sich die Künstlerin zu den Menschen, die sie porträtiert? Nähe und Distanz, Empathie und Unbehagen liegen eng beieinander. Die Ausstellung lädt ein, über Machtverhältnisse, soziale Rollen und das Verhältnis des Menschen zur Natur nachzudenken – damals wie heute.

Wenn Kunst Stoff wird

Das Haus im Schluh widmet sich einem kaum bekannten Bereich: Paulas Ausflug in Textilkunst um 1900. Die Ausstellung ANGEWANDT. Frau + Design zeigt 15 Künstlerinnen von 1920 bis heute, die mit Textilien, Keramik, Mode und Grafik arbeiten. Die Verbindung von Paula Modersohn-Becker und Martha Vogeler verdeutlicht die Bedeutung weiblicher Netzwerke in der Kunstgeschichte.

 

Paula Modersohn-Becker, Liegende Mutter und Kind II, 1906, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen, © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
Paula Modersohn-Becker, Liegende Mutter und Kind II, 1906, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen, © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Ein Jahrhundertgespräch: Paula und die Gegenwart

In der Worpsweder Kunsthalle begegnet Paula Modersohn-Becker der Gegenwart. Die französische Malerin Inès Longevial, international erfolgreich, zeigt erstmals in Deutschland großformatige Porträts. Haut, Gesten, Stimmung – ihre Arbeiten spiegeln die Fragen Paulas an die menschliche Figur und verdeutlichen die zeitlose Relevanz ihres Schaffens.

Paula auf der Leinwand – Fiktion trifft Leben

Das Jubiläum wird begleitet von zwei Filmproduktionen: ARTE zeigt am 8. Februar die Dokumentation Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse, im Sommer folgt der Kinofilm Paula Modersohn-Becker: Wer weiß schon, was ein Leben ist? mit Katharina Stark. Beide Filme verbinden Biografie, Fiktion und zeitgenössische Reflexion – und machen Paulas Kampf um künstlerische Freiheit spürbar.

Hier ist sie zuhause – und wirkt weiter

Paula Modersohn-Becker ist heute weltweit gefeiert, doch Bremen und Worpswede bleiben die Orte, an denen sie ihre Wurzeln hatte. Die Jubiläumsausstellungen zeigen sie nicht nur als Ikone, sondern als Künstlerin mit Haltung, Zweifel und Mut. Ihr Werk erinnert daran, dass künstlerische Radikalität kein historisches Phänomen ist, sondern bis heute lebendig wirkt.

 

Ausstellungsplakat, Motiv: Inès Longevial, Visage Vert (Ausschnitt), 2024, Öl auf Leinwand, 70 x 98,5 x 3,5 cm, Courtesy of the Artist and Almine Rech. Photo: Nicolas Brasseur
Ausstellungsplakat, Motiv: Inès Longevial, Visage Vert (Ausschnitt), 2024, Öl auf Leinwand, 70 x 98,5 x 3,5 cm, Courtesy of the Artist and Almine Rech. Photo: Nicolas Brasseur

 

PAULA KUNST-TICKET

Bei Vorlage eines regulären Tickets der Ausstellung BECOMING PAULA aus dem Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen erhalten Sie in Worpswede einen Rabatt von 20% auf das Museum⁴-Ticket der Worpsweder Museen (20 € statt 25 €), erhältlich in allen beteiligten Häusern.

Mit einem regulären Ticket der Ausstellung IMPULS PAULA in den Worpsweder Museen zahlen Sie in Bremen im Paula Modersohn-Becker Museum nur 10 € statt 12 € Eintritt.

Rabatt-Zeitraum: 8. 2. – 13. 9. 2026, nur gültig für reguläre Tickets zum Einlösen im jeweils anderen Ausstellungsort innerhalb von 14 Tagen nach Kauf.

Öffnungszeiten und Tickets Worpswede

Planen Sie Ihren Besuch

Winteröffnungszeiten (ab 7. Februar bis 29. März 2026)

Barkenhoff
Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Große Kunstschau Worpswede
Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Haus im Schluh
Dienstag und Donnerstag 13 – 17 Uhr
Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr

Worpsweder Kunsthalle
Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Feiertage

Montag, 16.2.2026 (Rosenmontag)

Barkenhoff, Große Kunstschau Worpswede und Worpsweder Kunsthalle 11-17 Uhr, Haus im Schluh 13-17 Uhr

Museen Böttcherstraße Stiftungs GmbH
Paula Modersohn-Becker Museum

Böttcherstraße 6, 28195 Bremen
T +49 (0)421 33882-22
F +49 (0)421 33882-33
info@museen-boettcherstrasse.de

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten Paula Modersohn-Becker Museum
Dienstag–Sonntag: 11–18 Uhr
Montags: geschlossen

Öffentliche Führungen
sonntags, um 11.30 Uhr

Öffnungszeiten Ludwig Roselius Museum

Dienstag-Sonntag: 12-16 Uhr 

Montags: geschlossen