Dr. Byron Tsivos, Isle of Man, UK & Griechenland
Einleitung: Endodontie als integrierter Prozess
Die moderne Endodontie ist längst keine isolierte Disziplin mehr, sondern bildet den Ausgangspunkt eines strukturierten Restaurationsprozesses, der bis zur finalen Kompositschicht reicht. Wenn Endodontie und restaurative Zahnheilkunde nahtlos ineinandergreifen, resultiert dies in klinischem Erfolg und einer harmonischen Behandlung von innen nach außen. Der folgende Fallbericht zeigt, wie ein integrierter Workflow selbst anspruchsvolle endodontische Behandlungen vorhersagbar macht.
Symbolbild: Schematische Darstellung eines integrierten Endo-Resto-Workflows („Inside-Out-Prinzip“).
Illustration: KI-generiert für dental-observer.de.
Patientenvorgeschichte
Eine 19-jährige Patientin stellte sich mit Symptomen einer irreversiblen Pulpitis am zweiten unteren rechten Molaren (Zahn 47) und leichter Zahnarztangst vor. Unter Vergrößerung wurden die bestehende Restauration und kariöses Dentin entfernt. Der Zahn wurde als restaurierbar eingestuft – eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung der okklusalen Stabilität bei jungen Patientinnen. Drei stark gekrümmte Kanäle wurden lokalisiert, was die Aufbereitung besonders anspruchsvoll machte. Vorrangiges Ziel war die Zahnerhaltung bei gleichzeitig reduziertem Stress und minimierter Behandlungszeit.
Sichere Kanalaufbereitung: Ausgangspunkt für Präzision
Zu Beginn wurde ein HySolate-Kofferdam (COLTENE) angelegt, um ein trockenes, aseptisches Arbeitsfeld zu gewährleisten. Nach Sondierung der Kanäle mit Edelstahl-K-Feilen (006–015, MicroMega) wurde die Durchgängigkeit hergestellt. Die Arbeitslänge wurde mithilfe des CanalPro Jeni (COLTENE) bestimmt, der Motor und Apexlokator kombiniert.
Bestimmung der Null-Linie für exakte Aufbereitung
Zunächst wurde die Position der apikalen Konstriktion mit einer Handfeile ermittelt und mithilfe des integrierten Apexlokators definiert – die sogenannte „Null-Linie“. Der Jeni-Motor wurde darauf eingestellt, um die Aufbereitung mit HyFlex OGSF-Feilen präzise bis zur apikalen Konstriktion zu ermöglichen. Diese Vorgehensweise gewährleistet apikale Kontrolle, verhindert Blockaden und bietet hohe Reproduzierbarkeit, besonders bei gekrümmten Kanälen.
Adaptive Instrumentierung mit HyFlex EDM OGSF
Die HyFlex EDM OGSF-Sequenz (COLTENE) eignet sich ideal für mehrfach gekrümmte Kanäle. Sie respektiert die natürliche Anatomie und minimiert das Risiko eines Feilenbruchs. Im Jeni-Modus passt das System die Feilenbewegung automatisch an die Belastung an – selbst bei schwierigen Fällen. Dadurch wird die Behandlung sicher, effizient und vorhersagbar.
Vorteile der EDM-Technologie
Die EDM-Technologie verleiht den OGSF NiTi-Feilen hohe Flexibilität und außergewöhnliche Resistenz gegen zyklische Ermüdung. Das OGSF-Standardprotokoll sorgt für einen schlanken Workflow und schnelle Bearbeitung häufiger Fälle. Die abgestimmten Spitzengrößen und Konizitäten erhalten die Kanalintegrität und gewährleisten eine kontrollierte Erweiterung.
Erhalt der dreidimensionalen Kanalanatomie
Unter starker Vergrößerung zeigte sich, dass die 3D-Anatomie während der Instrumentierung vollständig erhalten blieb. Das taktile Feedback des Systems ermöglichte ein optimales Gleichgewicht zwischen Effizienz und Kontrolle – selbst in komplexen, stark gekrümmten Kanälen.
Desinfektion: Der entscheidende Reinigungsprozess
Das Prinzip „Instrumente formen, Spüllösungen reinigen“ bestimmt den Praxisalltag. Zur effektiven Desinfektion kam eine Kombination aus CanalPro Natriumhypochlorit (NaOCl) und CanalPro EDTA zum Einsatz, unterstützt durch die SyringeFill Station (COLTENE). Diese Lösungen entfernen Biofilm, Schmierschicht und organisches Gewebe zuverlässig.
Vorbereitung der Kanäle für die Obturation
Nach der chemo-mechanischen Reinigung erfolgte die Trocknung mit HyFlex EDM Papierspitzen (ISO 30/.04), deren Saugfähigkeit und Passgenauigkeit optimale Voraussetzungen für die nachfolgende Obturation boten.
Modifizierte warme Obturationstechnik
Die Obturation wurde mittels modifizierter warm-vertikaler Kondensation und individuell angepasster Guttapercha-Spitze bei 150 °C durchgeführt. Anschließend erfolgte die finale Versiegelung mit GuttaFlow bioseal (COLTENE), einem biokeramischen Material, das die Bildung von Hydroxylapatit anregt und so die Heilung unterstützt. Die dichte Versiegelung schützt zuverlässig vor Reinfektionen.
Radiologisches Ergebnis
Die postoperative exzentrische Röntgenaufnahme zeigte eine homogene Füllung aller Kanäle sowie eines distalen Seitenkanals – ein Nachweis der vollständigen Versiegelung des Kanalsystems.
Koronale Versiegelung: Schutz vor Reinfektion
Nach Abschluss der Endodontie wurde die Dentinoberfläche geätzt und ONE COAT 7 UNIVERSAL appliziert. Die Lichthärtung über 20 Sekunden schuf eine sichere Basis für die definitive Restauration.
Aufbau mit Bulk Fill Flow
BRILLIANT Bulk Fill Flow wurde 1–2 mm dick appliziert, um Schrumpfungsstress zu reduzieren und Stabilität zu gewährleisten. Anschließend erfolgte die Aushärtung gemäß Herstellerangaben.
Ästhetische Feingestaltung mit BRILLIANT EverGlow
Die finale okklusale Schicht wurde mit BRILLIANT EverGlow in A2/B2 modelliert und nach Lichthärtung sorgfältig poliert. Das Ergebnis ist ästhetisch ansprechend und funktionell belastbar.
Langzeitrestauration: Overlay für molare Stabilität
Zur Frakturprophylaxe sollten Molaren nach endodontischer Behandlung stets mit Kronen oder Overlays versorgt werden. Die Patientin wurde daher zur finalen Versorgung zurücküberwiesen. Geplant wurde ein Brilliant Crios Overlay (COLTENE), das als CAD/CAM-Komposit eine langlebige, ästhetische und schnelle Restauration ohne Brennvorgang ermöglicht.
Integrierter Workflow in der Endodontie
Endodontische Phase: Die Kombination aus adaptiver Bewegungssteuerung des Jeni-Motors und der Flexibilität der EDM-Feilen führte zu hochpräziser, sicherer Aufbereitung bis zum Apex – ein wesentlicher Faktor für die Vorhersagbarkeit.
Integrierter Workflow in der restaurativen Phase
Die Materialkompatibilität innerhalb des Systems reduzierte Risiken an Grenzflächen und sorgte für effiziente Polymerisation, optimale Handhabung und natürliche Ästhetik – alles innerhalb einer einzigen Behandlungssitzung.
Fazit: Systemintegration für verlässliche Langzeiterfolge
Der gesamte Workflow – von der Wurzelkanalaufbereitung über die Spülung bis zur finalen Hochglanzpolitur – wurde mit höchster Präzision und vollständiger Systemintegration durchgeführt. Sind Instrumente, Spüllösungen und Restaurationsmaterial perfekt aufeinander abgestimmt, reduziert dies die Komplexität erheblich und führt zu verlässlichen, vorhersehbaren Langzeitergebnissen.
Fachliche Referenzen & Systeme (Transparenzhinweis)
Der beschriebene Workflow basiert auf klinischen Protokollen und Systemlösungen, wie sie in internationalen Fortbildungen und Fallpräsentationen von Dr. Byron Tsivos (Isle of Man / Griechenland) vorgestellt werden.
Verwendete Systemkomponenten und Materialien (u. a.):
- COLTENE (HyFlex EDM OGSF, CanalPro Jeni, GuttaFlow bioseal,
- BRILLIANT Bulk Fill Flow, BRILLIANT EverGlow, BRILLIANT Crios)
- MicroMega (Edelstahl-K-Feilen)
Die Darstellung erfolgt redaktionell unabhängig und dient der fachlichen Einordnung des integrierten Endo-Resto-Workflows.





