Privatabrechnung – mit Gebührensätzen von 1965?

GOZ und Gebührensätze

Kollege Dr. Peter Klotz, Funktionsträger bei der KZVB (Zuständigkeit Gebühren) und engagierter Vertreter von Interessen der Kollegen, hat in seiner „GOZ-Kolumne“ in www.zaend.de vom 30.07.2015 – 25.09.2015 sowie mit Nachdruck in der Ausgabe November 2015 „Der Bezirksverband“  des ZBV Oberbayern (www.zbvobb.deeinige sehr aufschlussreiche Überlegungen zum Thema „GOZ“ publiziert, die wir mit seiner Erlaubnis gerne allen Kollegen in Deutschland zugänglich machen möchten.

Insbesondere weist er darauf hin, dass ein Zahnarzt ohne betriebswirtschaftliche Kalkulation der Gebühren niemals ordentlich arbeiten kann, an sich eine Binsenweisheit, weil jeder Unternehmer (der Zahnarzt ist Unternehmer!) seine Preise nach seinen Kosten kalkulieren muss, eine Anpassung der Tätigkeit an vorgegeben Preise scheint absurd.

Behandlungen nach GOZ/GOÄ müssen betriebswirtschaftlich kalkuliert werden und dementsprechend nach § 2 Absatz 1 und 2 GOZ kann/muss eine abweichende Gebührenhöhe festgelegt werden.  Was dabei zu beachten ist gibt Kollege Klotz im Folgenden wider:

Vereinbart werden kann nur der Steigerungsfaktor. Die Vereinbarung einer  abweichenden  Punktzahl  (§  5 Absatz 1 Satz 2) oder eines abweichenden Punktwertes (§ 5 Absatz 1 Satz 3) ist gemäß § 2 Absatz 1 GOZ nicht zulässig.

Grundlagen für die betriebswirtschaftliche Bemessung des Steigerungsfaktors sind der praxisindividuell notwendige Stundenhonorarumsatz sowie der zu erwartenden Zeitaufwand. Die GOZ gibt zusätzlich vor, Faktoren wie Schwierigkeitsgrad (Patientenabhängig) sowie eigene Edukation (besondere erworbene Fähigkeiten zu Gunsten der Arbeitsqualität) in den Steigerungsfaktor einzuberechnen.

 

Die folgenden Beispiele basieren auf einem angedachten Stundenhonorarumsatz von 300.- €:

 

1) Eingehende Untersuchung, Beratung, Entfernen harter und weicher Zahnbeläge:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

0010 (100) 5,62 12,94 19,68
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
18x 4050 (10,0) 10,08 23,22 35,46
10x 4055 (13,0) 7,30 16,80 25,60
       
SUMME in Euro 27,66 63,68 97,06
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 5,53 12,74 19,41

 

2) Beratung, Anästhesie regio 15, Stillen Zahnfleischrandblutung, Caries profunda – Behandlung, 3-flächige Amalgamfüllung:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
0090 (60) 3,37 7,76 11,81
2030 (65) 3,66 8,41 12,80
2330 (110) 6,19 14,23 21,65
2090 (297) 16,70 38,42 58,46
       
SUMME in Euro 34,58 79,54 121,04
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 6,92 15,91 24,21

 

3) Beratung, Anästhesie regio 15, Stillen Zahnfleischrandblutung, Kofferdam anlegen, Caries profunda – Behandlung, 3-flächige Kompositrestauration:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
0090 (60) 3,37 7,76 11,81
2030 (65) 3,66 8,41 12,80
2040 (65) 3,66 8,41 12,80
2330 (110) 6,19 14,23 21,65
2100 (642) 36,11 83,05 126,38
       
SUMME in Euro 57,65 132,58 201,76
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 11,53 26,51 40,35

 

 

4) Neuer Behandlungsfall, überempfindlicher Zahnhals regio 16:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
4055 (13,0) 0,73 1,68 2,56
2010 (50) 2,81 6,47 9,84
       
SUMME in Euro 12,86 29,59 45,04
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 2,57 5,92 9,01

 

5) Neuer Behandlungsfall, symptombezogene Untersuchung, Beratung, Vitalitätsprobe regio 17 – 14, regio 16 Aufbau für eine Krone erforderlich, Anästhesie regio 16, Stillen Zahnfleischrandblutung, Caries profunda – Behandlung, Aufbaufüllung aus Glasionomerzement:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
0070 (50) 2,81 6,47 9,84
0090 (60) 3,37 7,76 11,81
2030 (65) 3,66 8,41 12,80
2330 (110) 6,19 14,23 21,65
2180 (150) 8,44 19,40 29,53
       
SUMME in Euro 33,79 95,31 118,27
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 6,76 19,06 23,65

 

 

6) Neuer Behandlungsfall, symptombezogene Untersuchung, Beratung, Vitalitätsprobe regio 17 – 14, regio 16 Aufbau für eine Krone erforderlich, Anästhesie regio 16, Stillen Zahnfleischrandblutung, Kofferdam anlegen, Caries profunda – Behandlung, Mehrschichtige dentinadhäsive Aufbaurekonstruktion:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
0070 (50) 2,81 6,47 9,84
0090 (60) 3,37 7,76 11,81
2030 (65) 3,66 8,41 12,80
2040 (65) 3,66 8,41 12,80
2330 (110) 6,19 14,23 21,65
2120a (770) 43,31 99,60 151,57
       
SUMME in Euro 72,32 166,32 253,11
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 14,46 33,26 50,62

 

7) Behandlung eines Patienten im Notdienst: Schwellung OK rechts, symptombezogene Untersuchung, Beratung, Vitalitätsprobe regio 17 – 14, regio 16 Trepanation:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
D (220) 12,82 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich) 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich)
0070 (50) 2,81 6,47 9,84
2390 (65) 3,66 8,41 12,80
       
SUMME in Euro 28,61 49,14 68,10
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 5,72 9,83 13,62

 

8) Behandlung eines Patienten im Notdienst: Direktes Provisorium regio Zahn 16 neu hergestellt:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
D (220) 12,82 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich) 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich)
2270 (270) 15,19 34,93 53,15
       
SUMME in Euro 37,33 69,19 98,61
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 7,47 13,84 19,72

 

 

9) Behandlung eines Patienten im Notdienst: Direktes Provisorium regio Zahn 16 wiederbefestigt:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä1 (80) 4,66 10,72 16,32
D (220) 12,82 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich) 12,82 (D nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich)
2270a (270) 15,19 34,93 53,15
       
SUMME in Euro 37,33 69,19 98,61
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 7,47 13,84 19,72

 

10) Komplette Wurzelbehandlung des devitalen Zahnes 16 mit 4 Wurzelkanälen in einer geplanten Behandlungssitzung (Diagnosestellung mit Röntgenbild erfolgte in einer vorherigen Sitzung):

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

0090 (60) 3,37 7,76 11,81
2040 (65) 3,66 8,41 12,80
2390 (65)

Nach Empfehlung BZÄK !

3,66 8,41 12,80
8x 2400 (70) 31,52 72,40 110,24
4x 2410 (392) 88,20 202,84 308,64
Ä5000 (50) 2,91 5,24 (*Faktor 1,8) 7,28 (*Faktor 2,5)
4x 2420 (70) 15,76 36,20 55,12
4x 2440 (258) 58,04 133,48 203,16
Ä5000 (50) 2,91 5,24 (*Faktor 1,8) 7,28 (*Faktor 2,5)
2060 (527) 29,64 68,17 103,74
       
SUMME in Euro 239,67 548,15 832,87
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 47,93 109,63 166,40

 

Selbstverständlich sind bei entsprechender Leistungserbringung zusätzliche Leistungen denkbar !

 

11) Extraktion Zahn 11 in einer geplanten Behandlungssitzung (Diagnosestellung mit Röntgenbild erfolgte in einer vorherigen Sitzung):

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

2x 0090 (60) 6,74 15,52 23,62
3000 (70) 3,94 9,05 13,78
       
SUMME in Euro 10,68 24,57 37,40
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 2,14 4,91 7,48

 

Selbstverständlich sind bei entsprechender Leistungserbringung zusätzliche Leistungen denkbar !

 

12) Osteotomie retinierter Zahn 38 in einer geplanten Behandlungssitzung (Diagnosestellung mit Röntgenbild erfolgte in einer vorherigen Sitzung):

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

0100 (70) 3,94 9,05 13,78
3045 (767) 43,14 99,21 150,98
0510 (750)

*Nur im 1,0-fachen Steigerungsfaktor möglich !

42,18 *42,18 *42,18
       
SUMME in Euro 88,26 150,44 206,94
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 17,65 30,09 41,39

 

Selbstverständlich sind bei entsprechender Leistungserbringung zusätzliche Leistungen denkbar !

 

13) Symptombezogene Untersuchung, Eingehende Beratung (Dauer länger als 10 Minuten):

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

Ä5 (80) 4,66 10,72 16,32
Ä3 – Dauer mindestens 10 Minuten !! (150) 8,74 20,11 30,60
       
SUMME in Euro 13,40 30,83 46,92
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 2,68 6,17 9,38

 

Betriebswirtschaftlich sind die erbrachten Leistungen im Gebührenrahmen (Steigerungsfaktor 1,0 – 3,5) bei einem notwendigen Stundenhonorarumsatz von 300.- € nicht darstellbar. Eine abweichende Vereinbarung der Gebührenhöhe nach §2 Abs.1 und 2 GOZ ist daher im Vorfeld zwingend zu treffen, damit die Leistungen entsprechend der ökonomischen Notwendigkeiten erbracht werden können.

 

14) Mundhygienestatus (Dauer länger als 25 Minuten) als alleinige Leistung in einer geplanten Sitzung:

 

Leistung Euro-Betrag bei

durchgängigem

1,0-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

2,3-fachen Steigerungsfaktor

Euro-Betrag bei

durchgängigem

3,5-fachen Steigerungsfaktor

1000 – Dauer mindestens 25 Minuten !! (200) 11,25 25,87 39,37
       
SUMME in Euro 11,25 25,87 39,37
       
Zur Verfügung stehende Zeit in Minuten 2,25 5,17 7,87

 

Betriebswirtschaftlich ist die erbrachte Leistung im Gebührenrahmen (Steigerungsfaktor 1,0 – 3,5) bei einem notwendigen Stundenhonorarumsatz von 300.- € nicht darstellbar.

Selbst bei einem notwendigen Stundenhonorarumsatz von 100.- € – 200.- € (z.B. bei Delegation der Leistung an DH, ZMF, ZMP, ZFA !!) ist die erbrachte Leistung betriebswirtschaftlich im Gebührenrahmen (Steigerungsfaktor 1,0 – 3,5) nicht darstellbar.

Eine abweichende Vereinbarung der Gebührenhöhe nach §2 Abs.1 und 2 GOZ ist daher im Vorfeld zwingend zu treffen, damit die Leistung entsprechend der ökonomischen Notwendigkeiten erbracht werden kann.

 

Fazit der Beispiele:

 

Das Honorar in Euro muss wohl, zumindest dort, wo das überhaupt möglich ist, nach betriebswirtschaftlichen Kriterien gestaltet werden. Ansonsten droht der Zahnarztpraxis bei ständiger Leistungserbringung unterhalb der jeweiligen Kosten betriebswirtschaftlich über kurz oder lang mehr als Ungemach.

 

Gebührenrechtlich findet sich die Möglichkeit, die Gebührenhöhe (abweichend vom „normalen“ Gebührenrahmen nach §5 GOZ) festzulegen, im §2 Abs.1 und 2 GOZ:

 

  • 2 Abweichende Vereinbarung

 

(1) Durch Vereinbarung zwischen Zahnarzt und Zahlungspflichtigem kann eine von dieser Verordnung abweichende Gebührenhöhe festgelegt werden. Die Vereinbarung einer abweichenden Punktzahl (§ 5 Absatz 1 Satz 2) oder eines abweichenden Punktwertes (§ 5 Absatz 1 Satz 3) ist nicht zulässig. Notfall- und akute Schmerzbehandlungen dürfen nicht von einer Vereinbarung nach Satz 1 abhängig gemacht werden.

 

(2) Eine Vereinbarung nach Absatz 1 Satz 1 ist nach persönlicher Absprache im Einzelfall zwischen Zahnarzt und Zahlungspflichtigem vor Erbringung der Leistung des Zahnarztes schriftlich zu treffen. Diese muss neben der Nummer und der Bezeichnung der Leistung, dem vereinbarten Steigerungssatz und dem sich daraus ergebenden Betrag auch die Feststellung enthalten, dass eine Erstattung der Vergütung durch Erstattungsstellen möglicherweise nicht in vollem Umfang gewährleistet ist. Weitere Erklärungen darf die Vereinbarung nicht enthalten. Der Zahnarzt hat dem Zahlungspflichtigen einen Abdruck der Vereinbarung auszuhändigen.

 

Ist man sich also sicher, dass für die ökonomische Leistungsbewertung einer geplanten Leistung bzw. Behandlung der „normale“ Gebührenrahmen nach §5 GOZ nicht ausreicht, sollte man eine entsprechende Vereinbarung im Vorfeld treffen.

Auch wenn man sich zumindest unsicher ist, ob für die ökonomische Leistungsbewertung einer geplanten Leistung bzw. Behandlung der „normale“ Gebührenrahmen nach §5 GOZ  ausreicht, sollte man eine entsprechende Vereinbarung im Vorfeld treffen.

Letztlich ist es durchaus möglich, bei der Liquidation unter der vorab vereinbarten Gebührenhöhe zu bleiben.

Es ist jedoch nicht möglich, bei der Liquidation über die vorab vereinbarten Gebührenhöhe hinaus zu liquidieren.

 

Trifft man im Vorfeld keine Vereinbarung der Gebührenhöhe nach § 2 Abs. 1 und 2 GOZ, so müssen die erbrachten Leistungen nach § 5 GOZ bemessen werden:

 

  • 5 Bemessung der Gebühren für Leistungen des Gebührenverzeichnisses

 

(1) Die Höhe der einzelnen Gebühr bemisst sich nach dem Einfachen bis Dreieinhalbfachen des Gebührensatzes. Gebührensatz ist der Betrag, der sich ergibt, wenn die Punktzahl der einzelnen Leistung des Gebührenverzeichnisses mit dem Punktwert vervielfacht wird. Der Punktwert beträgt 5,62421 Cent. Bei der Bemessung von Gebühren sind sich ergebende Bruchteile eines Cents unter 0,5 abzurunden und Bruchteile von 0,5 und mehr aufzurunden; die Rundung ist erst nach der Multiplikation mit dem Steigerungsfaktor nach Satz 1 vorzunehmen.

 

(2) Innerhalb des Gebührenrahmens sind die Gebühren unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistung sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen zu bestimmen. Die Schwierigkeit der einzelnen Leistung kann auch durch die Schwierigkeit des Krankheitsfalles begründet sein. Bemessungskriterien, die bereits in der Leistungsbeschreibung berücksichtigt worden sind, haben hierbei außer Betracht zu bleiben. Der 2,3fache Gebührensatz bildet die nach Schwierigkeit und Zeitaufwand durchschnittliche Leistung ab; ein Überschreiten dieses Gebührensatzes ist nur zulässig, wenn Besonderheiten der in Satz 1 genannten Bemessungskriterien dies rechtfertigen; Leistungen mit unterdurchschnittlichem Schwierigkeitsgrad oder Zeitaufwand sind mit einem niedrigeren Gebührensatz zu berechnen.

 

Trotz definitiver ökonomischer Notwendigkeiten sind diese gebührenrechtlich nach §5 GOZ keine tatsächlichen Begründungen für den nach billigem Ermessen im Gebührenrahmen festgelegten Steigerungsfaktor bzw. die notwendige Begründung nach den Vorgaben des §5 Abs.2 GOZ.

Dies führt nach mehr als 27 Jahren „Nichtpunktwertanpassung“ für über 70% der im Gebührenverzeichnis der aktuellen GOZ genannten Leistungen letztlich dazu, dass sehr häufig genau erwogen werden muss, welche Begründungen man in der Liquidation nennt, um die notwendige Leistungsbemessung in Euro auch gebührenrechtlich korrekt niederzulegen.

 

Dr. Peter Klotz, Germering

Nachdruck aus www.zaend.de vom 30.07.2015 – 25.09.2015

 

 

Die Ergebnisse sind kaum falsch zu interpretieren. Eine Praxis muss als Wirtschaftsbetrieb geführt werden – werden nicht ausreichend Einnahmen generiert hat der Zahnarzt Insolvenz anzumelden, dies ist eine verbindliche Rechtsvorgabe. Unterlässt er das, macht er sich der „Insolvenzverschleppung“ schuldig.

Er darf auf eigene Einkünfte verzichten, hat jedoch Sorge dafür zu tragen, dass Mitarbeiter, Sozialversicherung, Vermieter, Finanzamt, Lieferanten und nicht zuletzt die Bank ihr Geld erhalten, alles andere ist strafbar.

Die Kosten steigen unablässig (Tarifverhandlungen, Mietsteigerungen, Sozialabgaben, usw.), dies muss sich realistischer Weise in den Preisen spiegeln. Werden die Kostensteigerungen nicht in der Preisbildung abgebildet, so gibt es nur die Möglichkeit, durch billigeren Einkauf (Senkung der Mitarbeiterkosten, z.B. durch Entlassung und Leistungsverdichtung bei den verbliebenen Mitarbeitern, Bezug billigerer Zulieferung von Zahntechnik, Umzug in billigere Praxisräume, o.ä.) die Kostensituation im Griff zu halten, oder aber, durch „Rationalisierung“, Synonym für mehr Arbeit in kürzerer Zeit, die Anpassung vorzunehmen.

Nun ist die zahnärztliche Tätigkeit ohne Qualitätsverlust nur sehr eingeschränkt rationalisierbar. Zeitersparnis geht meist mit der Anschaffung teurer neuer Geräte einher und vermindert, und das ist das Hauptproblem, die verfügbare Zeit für den Patienten, was von diesem negativ wahrgenommen wird („mein Arzt hat keine Zeit für mich“). Die möglichen Zeiteinsparungen sind inzwischen sehr begrenzt, d.h., die Ressourcen sind praktisch ausgeschöpft. Weitere Leistungsverdichtung bedeutet – wie überall in der Wirtschaft – überproportionale Investitionen sowie eine zunehmende Belastung der Mitarbeiter, die von diesen mit Stresssymptomen und Krankheit beantwortet werden. Dies gilt ebenfalls ganz allgemein: die Fehlzeiten von Arbeitnehmern wegen psychischer Erkrankungen (hier insbesondere Stressfolgen) nehmen mittlerweile weit überproportional zu, psychische Probleme wegen Überforderung in der Arbeitswelt besetzen mittlerweile einen Spitzenrang bei den festgestellten Krankheiten, die eine Arbeitsunfähigkeit bedingen. Dies gilt auch und insbesondere für Arbeitskräfte im medizinischen und pflegerischen Bereich.

Dass Ärzte davon weniger betroffen wären als Krankenpfleger o.ä. ist kaum anzunehmen – sie ignorieren jedoch ihre Probleme leichter bzw. versuchen zu kompensieren, was dann zu familiären Auseinandersetzungen, Drogenmissbrauch (Alkohol!) und eine nicht unerhebliche Zahl an Suizidfällen führt.

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