Grenzen: notwendig oder überflüssig?

Das Wesen der Grenzen

Leben basiert prinzipiell durch Abgrenzung von der Umgebung: es gibt keine Zelle – kleinster Baustein – ohne eine Zellmembran, also eine Grenze. Innerhalb der Grenze sind die Zustände stabil, egal was außerhalb passiert.

Viren haben keine begrenzende Zellmembran, deshalb können sie eigenständig nicht leben. Sie sind darauf angewiesen, irgendwie die Zellmembran zu durchdringen und sich dann schmarotzerhaft auf Kosten der Zelle zu vermehren.

Bakterien sind Einzeller, die man durch Schädigung der begrenzenden Membran töten kann.

„Höhere“ Lebewesen, „Mehrzeller“ besitzen außer den jede Einzelzelle schützenden Membranen zusätzlich eine äußere Grenze, z.B. eine Haut. Wird die Haut geschädigt, erleidet der Organismus schwere Schäden, und ohne Haut sind die Mehrzeller gar nicht mehr lebensfähig.

Grenzen gibt es auch in noch höherer Organisation. So ist der Planet Erde als Teil des begrenzten (!) Universums begrenzt, sowohl in der Ausdehnung als auch in seinen Ressourcen. Tiere leben in begrenzten Revieren – wobei ein erbitterter Streit um die Grenzen der Reviere tobt, bei Vögeln ebenso wie bei Säugetieren, alle Tiere leben in Grenzen ihrer Reviere. Und der Mensch? Menschen leben natürlicherweise in Familienverbänden und Höhlen, auch eine Höhle ist ja ein begrenzter Raum. Ersatzweise leben Menschen heute in Wohnungen oder Häusern, also innerhalb erkennbarer Grenzen.

Größere Gruppen bestehend aus zahlreichen Familien mussten etwas Gemeinsames finden, um sich abzugrenzen: hier war es eine gemeinsame Sprache und Kultur, die es erlaubten, weitgehend konfliktfrei zusammenzuleben. Nach außen wurden dabei ganz selbstverständlich Grenzen gezogen, teilweise sehr imposant: Limes oder Chinesische Mauer sind beste Beispiele dafür.

Wenn also Grenzen elementare Voraussetzung für Leben an sich bzw. ein konfliktfreies Miteinander bei Gruppen von Lebewesen sind, ist es völlig unverständlich, weshalb solche Grenzen aufgegeben werden oder aufgegeben werden sollen. Als Rom seine Grenzen nicht mehr geschützt hat ging das Imperium unter, als China seine Grenzen nicht mehr schützen konnte, stürzte das Land in Chaos und Bürgerkrieg ab.

Aktuell gibt es Protagonisten einer Lebensweise „ohne Grenzen“. Hinterfragt man Herkunft und Bildung, so wird man rasch fündig: eine naturwissenschaftliche Bildung fehlt generell, so wie insgesamt eine nur recht bescheidene Bildung festgestellt werden kann. In der ausgerufenen „postfaktischen“ Gesellschaft zählen Fakten nicht mehr, Gefühle werden als Richtschnur vorgegeben. Nun sind Gefühle erst einmal kritisch zu betrachten: ein Gefühl ist eine höchstpersönliche individuelle Angelegenheit (Beispiel: Geschwindigkeit, ob etwas schnell oder langsam ist, kann man objektiv messen, ein Gefühl hingegen wird keine übereinstimmende Beurteilung zulassen können). Massenbeeinflussung durch Medien kann jedoch Gefühle synchronisieren – da kann etwas völlig falsches zu einer Massenbewegung werden, wie die totalitären Regime überall auf der Welt eindrucksvoll bewiesen haben. Oder die Werbung. Oder Wahlkampf, oder, oder…

Löst man sich so weit als möglich von Gefühlen und versucht, alles rational zu beurteilen – was bedingt, dass alles, was die Sinne beeinflusst, soweit es irgend geht vermieden wird, eine Askese in klösterlicher Abgeschiedenheit z.B. wäre eine Alternative. Oder zumindest völlige Abstinenz gegenüber allen Medien (TV, Radio, Zeitung), damit die permanente Beeinflussung zurückgedrängt wird – und besinnt sich darauf, was man einmal in der Schule gelernt hat, also z.B. Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, so kann man zumindest versuchen, vernünftige Gedanken zu fassen. Vernünftig, was könnte das sein? Zuerst sollte man doch rational nachvollziehen können, dass ein begrenztes System, wie unser Planet es darstellt, nur begrenzt Rohstoffe, Energie und Fläche bieten kann. Im zweiten Schritt sollte die Überlegung greifen, dass als Folge davon Rohstoffe nicht für den Einmalgebrauch eingesetzt werden dürfen, sondern prinzipiell stets wiederverwendet werden müssen. Das stellt jedenfalls die Wegwerfgesellschaft infrage.

Wird man sich auch der Begrenztheit der vorfügbaren Energie bewusst, sollte dem Mobilitätswahn der Abschied gegeben werden. Als sich die Menschen noch der Begrenztheit bewusst waren, waren menschliche Siedlungen vernünftig ausgebaut: Wohnung und Arbeit lagen nah beieinander, und die Herstellung der Güter des täglichen Bedarfs wurde beim Handwerker um die Ecke bewerkstelligt. Wohnungen wurden nicht irgendwo in die Landschaft gebaut, sondern die Häuser schmiegten sich eng aneinander, was enorme Energieeinsparungen bewirkt. Die Siedlung wurde nur verlassen, um die Felder zu bestellen.

Dies ist durchaus auch heute darstellbar. Die Arbeiter müssen nur in die Nähe ihrer Fabrik umsiedeln – so wie es schon Jahrtausende vorher üblich war.

Die Begrenztheit der Flächen äußert sich auch in einer nicht mehr steigenden Nahrungsmittelproduktion. Alle brauchbaren Flächen für den Ackerbau sind weltweit mittlerweile ausgeschöpft, eine Ausweitung von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist nur noch um den Preis der Vernichtung der noch übrigen kümmerlichen Reste von Natur realisierbar.

Die bislang genutzten Agrar-Flächen beschränken die Nahrungsmittelproduktion so lange, so lange keine Produktivitätssteigerung (Ertrag pro Fläche) erfolgt. Hier scheinen weitere Steigerungen schwierig, hat doch die Intensivlandwirtschaft heute schon ihre Grenzen erreicht. Wenn nun vermehrt „Bio“-Produkte verlangt werden, nimmt die Produktivität zwangsläufig ab, auch ein verminderter Einsatz von Pestiziden schlägt auf die Produktion durch. Der scheinbare Überfluss an Nahrungsmitteln in Deutschland bzw. allgemein Europa ist nicht wirklich, wer genau hinschaut, erkennt, dass dieser Überfluss primär auf Importen fußt, und damit wird der Nahrungsmangel nur in andere Weltregionen verlagert.

Der „biologische Fußabdruck“ Deutschlands zeigt das auf: jeder Einwohner Deutschlands verbraucht mehr als dreimal so viel wie an natürlichen Ressourcen verfügbar sind (auf der Fläche der Bundesrepublik), d.h., wir nehmen Anderen etwas weg, ja, sogar sehr viel weg. Wir müssten, um „nachhaltig“ unseren Anteil der Erde zu nutzen, mit einem Drittel auskommen: ein Drittel von allem, also Energie, Nahrungsmittel, Rohstoffe, usw.

Leider betrachten die unterschiedlichsten Bewegungen zum Schutz der Natur stets nur kleine Teilaspekte und nie das große Ganze, zumindest habe ich eine Gesamtbilanz bislang nicht als Grundlage politischer Bestrebungen gesehen.

Die Begrenztheit lässt sich überall erkennen. Im Gesundheitswesen sind die Mittel /Ausgaben begrenzt, direkte Folge der Begrenztheit sind die Überall eingeführten Budgets. Nun kann man nicht Leistungen unbegrenzt abfragen, bei begrenztem Budget, ohne Einbußen an Qualität. Bislang konnten die Einbußen verborgen werden, nur, aktuell treten sie immer deutlicher ins Bewusstsein. Beispiel Krankenhaus: fast alle Kliniken kämpfen mit Personalmangel (Folge der budgetbedingten schlechten Bezahlung verbunden mit einem ungünstigen Stellenschlüssel), Hygienemängeln (ebenso direkte Folge der Einsparungen beim Personal), Ausstattungsmängeln (medizinische Geräten werden aus Kostengründen mit längeren Laufzeiten bis zur Auswechslung bzw. Modernisierung belastet), Baumängeln (die Kliniksgebäude sind sehr in die Jahre gekommen, jedoch es fehlt das Geld für Instandhaltung und Renovierung, wie in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden auch), und was für das Krankenhaus gilt, gilt auch für die freien Praxen. Beispiel Psychotherapie: psychotherapeutische Praxen haben eine Zulassungssperre, d.h., wir haben eine „Bedarfsregelung“. Nun erhält ein Patient in einem gesperrten (also laut Bürokratie überversorgtem Gebiet) kaum einen Termin innerhalb von sechs Monaten. Da dies ja den Mangel bzw. die Begrenztheit dokumentieren würde, hat die Planbürokratie was Neues erfunden: wie bei allen Fachärzten wird einem Patienten das Recht garantiert, innerhalb von vier Wochen einen Termin zu bekommen. Unmittelbare Folge ist, dass nun zwar ein Termin vergeben wird, dann jedoch die Therapie noch später beginnt, weil ja der Ersttermin Arbeitszeit verschlingt, die nicht mehr therapeutisch genutzt werden kann.

Da werden Potemkin’sche Dörfer gebaut und das Volk in trügerischer Sicherheit gewiegt.

Akzeptiert der geneigte Leser, dass Begrenztheit ein elementarer Bestandteil des Lebens an sich ist und Grenzen nicht etwas widernatürliches, sondern einfach nur eine Überlebensstrategie darstellen, dann sollte auch die daraus abgeleitete Folgerung akzeptabel sein: eine unbegrenzte Zuwanderung bzw. Einwanderung zerstört das Gemeinwesen, so wie eine bakterielle Infektion den Organismus zerstört. Der biologische Fußabdruck, Maß aller Dinge, kann dauerhaft (nachhaltig) nur „1“ sein, d.h., das Gemeinwesen darf nicht mehr verbrauchen als es an natürlichen Ressourcen verfügbar hat. Um alles um ein Drittel zurückzufahren genügt es kaum, dass jeder Einwohner einfach nur weniger verbraucht, es muss auch eine Reduktion der Gesamtzahl an Individuen erfolgen. Nur so ließe sich ein Gleichgewicht herstellen.

Damit ist allen Einwanderungsgesetzen die rote Karte zu zeigen: Einwanderung ist generell zu unterbinden.

Nun wird der Druck auf die Grenzen nicht nachlassen – die unbegrenzte (!) Vermehrung der Menschen erzeugt Not, Hunger, und damit verbunden einen Auswanderungsdruck. Dies ist erst einmal Fakt, und Kriege sind auch nur Folge der Überbevölkerung, die zur Migration  führt, und nicht Ursache. Nun können Migrationsströme doch nicht in Regionen geleitet werden, die selbst schon überbevölkert sind, das ist einfach nicht tragbar. Weder die Ressourcen (denken wir daran: es wird bei uns dreimal so viel verbraucht wie „nachwächst“) noch die Sozialsysteme sind dem Ansturm gewachsen. Schon das Problem „Wohnen“ scheint ausweglos. Es ist schlicht unmöglich jedem Erdbürger eine Wohnung nach unserem  Standard zur Verfügung zu stellen, so viel Beton (oder anderes Baumaterial) gibt es gar nicht. Und für alle Sozial- und Gesundheitsleistungen vorzuhalten ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Gesellschaft steht deshalb am Scheideweg: will sie und mit ihr die Zivilisation überleben, muss sie die Grenzen hermetisch schließen und Wege suchen, mittelfristig die Bevölkerungsdichte zu reduzieren, oder sie entscheidet sich die Grenzen offen zu halten und mit den Migranten unterzugehen, wie damals Rom.

 

 

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