Die Deutschen bringen sich selber um:

Messer und Gabel sowie Trinkhalm sind die Utensilien dazu!

Immer süßer, immer salziger, immer mehr fast food, und immer fetter. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat Übergewicht, und die Zukunft schaut noch düsterer aus.

Bei immer mehr Kindern wird bei der Einschulung Fettleibigkeit festgestellt, längst vergessen geglaubte Bilder des „Nursing Bottle Syndrome“ bieten sich den Kinderärzten – was wird man dann bei den später Erwachsenen finden?!

Ursache sind schlechte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die so gar nicht mehr bemerkt werden. Das gemeinsame Essen in der Familie? Ein Auslaufmodell, Kochen findet nur noch im Fernsehen statt, zuhause lässt man es und geht lieber ins Restaurant. Kinder lernen so gar nicht mehr wie Lebensmittel zubereitet werden, so greifen dann die Jugendlichen schon zu Fertiggerichten. Ein Trend, der weltweit zu beobachten ist. Eine Frage in einer Pariser Schule, die Kinder mögen doch bitte mal einen Fisch zeichnen, führte zu dem Ergebnis, dass die meisten braune Quader malten –  so wie sie eben Fisch kannten, als Fertiggericht. Die „zivilisierten“ Menschen nehmen sich einfach keine Zeit für das Kochen, es muss alles ganz schnellgehen. Keine Zeit? Was wäre denn wichtiger? Da fiele uns schon eine ganze Menge ein….

Dazu kommt, dass feste Zeiten für Mahlzeiten auch der Vergangenheit angehören. Feste Termine z.B. für ein gemeinsames Essen werden schon als Terror empfunden, wie überhaupt feste Zeiten als extrem unangenehm angesehen werden und eher unverbindlich betrachtet werden. Gegessen wird alles, was rasch zubereitet ist und zu einem beliebigen Zeitpunkt, wenn man eben grade hungrig ist oder meint Zeit dafür zu finden. Beobachtungen in befreundeten Familien lassen erschrecken: da gilt es als Festessen, wenn tatsächlich mal Spaghetti auf den Tisch kommen, zubereitet mit Ketchup. Ein so simples Rezept wie Tiramisu stellt eine unüberwindliche Hürde dar, die auch mit einem gemeinsamen Einsatz von 6 Personen und einer nachher vollständig verwüsteten Küche zu keinem Erfolg führt. Und weshalb? Weil nicht berücksichtigt wird, dass das alles Zeit kostet, nicht an tatsächlicher Arbeitszeit, sondern lediglich Wartezeit, z.B. bis die Creme eben abgekühlt ist, was schon mal 4 Stunden Kühlschrank bedeutet. Das würde jedoch Planung, Voraussicht!, bedeuten, und so etwas wird immer weniger berücksichtigt. Ist man unpünktlich, na ja, man hat ja ein Handy, telefoniert man eben, dass es später wird. Wenn überhaupt. Der Gastgeber steht dann da und das Essen wird trocken und matschig – ganz so, wie man es aus dem Gasthaus kennt, stört kaum jemanden.

Damit dann da überhaupt noch ein Geschmack rausgekitzelt werden kann wird reichlich Glutamat zugegeben und, was noch hässlicher ist, Zucker. Egal was gekocht wird, alle Rezepte enthalten Zucker: braune Soße? Macht man mit karamellisiertem Puderzucker. Brathähnchen? Werden mit Zuckercouleur so schön braun außen. Ente? Kann   man sich ohne Zuckerüberzug gar nicht vorstellen. Selbst Salat kriegt seine Prise Zucker ab.

Nun tritt bei Zucker, ebenso wie bei Salz, ein Gewöhnungseffekt ein, d.h., um das überhaupt noch zu schmecken, werden immer größere Mengen benötigt. Für jemanden, der sich dem entziehen mag, wird der Restaurantbesuch schwierig: alles schmeckt massiv versalzen und widerlich süß.

Diese Entwicklung ist überall zu beobachten, und viele Länder haben begonnen darauf zu reagieren. Schließlich hat die Politik ja auch eine Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation, und die Gesundheitskosten explodieren ja heute schon.

Diesen Bemühungen stehen natürlich die Interessen der Nahrungsmittelindustrie entgegen, und – das ist eigentlich ganz normal – man verteidigt seine Umsätze, z.B. durch teure Werbekampagnen. Geld ist ja reichlich da: Zucker kostet fast nichts, wird jedoch in Fertigprodukten als Geschmacks- und Konservierungsmittel eingesetzt. Ein Verzicht würde enorme Kostensteigerungen nach sich ziehen. Zucker und Salz sind die ältesten Konservierungsmittel überhaupt und gelten nicht als solche – man kann sein Zeug sogar als „Bio“ verkaufen. Und um ein paar ungebildete Alternative mehr als Kunden zu gewinnen nimmt man anstatt Zucker gerne das –ältere! – Süßungs- und Konservierungsmittel Honig.

Ganz schrecklich wird das Bild bei Betrachtung der Getränke. Natürliche Getränke, wie klares Wasser, stehen nicht allzu hoch im Kurs, da greift man doch lieber zu anderen Geschmacksvarianten. Bier ist ins Gerede gekommen des Alkohols wegen, also nimmt man lieber „Erfrischungsgetränke“ (Englisch: Soda), und das sind eigentlich konzentrierte Zuckerlösungen, mehr Zucker kriegt man gar nicht mehr ein, und damit das „erfrischend“ und nicht nur pappig schmeckt, wird billige Zitronensäure beigemischt. Und dann wird der Mist teuer verkauft – welche irren Gewinnspannen man dabei erreicht kann man an dem berüchtigten Softdrink, der angeblich Flügel verleihen soll, sehen.

Auch „Saft“ ist nicht viel besser – Orangesaft stellt chemisch auch nur eine Mischung als Säure und Zucker dar. Bitte keine Täuschung, auch Apfelsaft ist nichts anders als eine mit Säure vermischte Zuckerlösung. Dabei werden solche „natürlichen“ Zuckerlösungen gar nicht beim Zuckerkonsum mitgezählt, der sich der 100 Gramm Marke täglich (!) nähert. Nach Angaben der WHO wären für einen Erwachsenen maximal 25 Gramm täglich noch akzeptabel, die erwähnten 100 Gramm stellen jedoch einen Durchschnitt über alle Altersgruppen dar, vom Neugeborenen bis zum Senior. Beispiel: ein Becher Fruchtjoghurt bedeutet bereits, das Limit ist erreicht. Maximal 10 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr soll nach WHO aus niedermolekularen Kohlehydraten – „Zucker“ – bestehen, in Deutschland sind es aktuell 18 Prozent, Tendenz steigend.

Der Basiserhebung zur Kinder und Jugendgesundheitsuntersuchung (KIGGS) zufolge entfallen auf Jugendliche und Kinder im Schnitt auf mehr als zwei Gläser Softdrinks pro Tag, bei einem durchschnittlichen Gesamtverzehr von 120 Litern jährlich. Den höchsten Konsum haben 17-jährige – Mädchen im Schnitt 3,4 und Jungs 4,3 Gläser.

Der hohe Zuckerkonsum bedeutet: Bluthochdruck und schlechte Cholesterin-Werte werden begünstigt, Adipositas, Diabetes, Karies werden verursacht. 18,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande sind übergewichtig, so die AOK in einer aktuellen Studie, 6,3 Prozent litten unter krankhafter Fettsucht (Adipositas). Bei Erwachsenen liegt die Adipositas-Rate sogar  bei 23 Prozent, übergewichtig ist sowieso mehr als jeder Zweite. Die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten werden in Deutschland pro Jahr auf mehr als 70 Milliarden Euro beziffert.

Es ist schwierig dagegen zu steuern, schlechten Gewohnheiten ist mir Aufklärung nicht gut beizukommen, insbesondere dann nicht, wenn eine einflussreiche Werbung das Gegenteil behauptet. Denken wir an den heldenhaften Versuch des New Yorker Bürgermeisters Blomberg, wenigstens die Monsterpackungen der Softdrinks verbieten zu wollen. Keine Chance gegen die Industrie, so das Ergebnis.

Dabei gäbe es schon Möglichkeiten: nach vielen massiven Steuererhöhungen sowie Negativkampagnen ist der Tabakverbrauch deutlich zurückgegangen, Rauchen als Ursache für enorme Kosten im Gesundheitswesen wird zurückgedrängt. Alkoholsteuern wirken auch regulierend, Beispiel Skandinavien.

In Frankreich ist man weiter als in Deutschland: die Franzosen haben eine Zuckersteuer (wird auf Softdrinks erhoben), die bereits 280 Mio Jährlich einbringt. Ist schon seltsam, dass Deutschland, das so erfinderisch ist im Erfinden stetig neuer Steuern und Gebühren, hier nicht handeln mag. Sogar Mexiko- dort haben sie wohl die weltweit höchste Adipositas- und Diabetes-Rate – hat mit einer Steuer reagiert – auf Zucker und Fett gleichzeitig. Wenn man schon nicht glaubt, dass das Verhalten dadurch geändert werden könnte, zumindest wäre dann der Schaden (Gesundheitskosten!) wenigstens teilweise den Verursachern auferlegt.

Dass sich jedoch auch das Verhalten ändern kann, zeigt das Beispiel „Alkopops“: nachdem darauf eine Sondersteuer erhoben wurde, sank der Absatz binnen eines Jahres um 80 Prozent. Geht doch!

Vermutlich besteht hierzulande kein großer Leidensdruck bezüglich Gesundheitskosten, kann man doch immer noch die Honorare der Ärzte so weit drücken, dass die Kosten für die Allgemeinheit nicht unerträglich geworden sind. Nur, fragt man sich, wie lange noch werden angebliche Wirtschaftlichkeitsreserven gehoben werden können? Mangelerscheinung sind doch allerorten zu beobachten…

 

 

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