Die Bildungsmisere in Deutschland

Bildung und Einbildung

Es gab einmal eine Zeit in Deutschland, da wurde Bildung hochgeschätzt. Nur eine kleine Minderheit hat Abitur erworben, und eine ebenso kleine Minderheit hat an einer Universität studiert. Als Studium wurde nur eine Ausbildung an einer Universität angesehen, schon ein Abschluss an einer „Technischen Hochschule“ wurde mit Nasenrümpfen zur Kenntnis genommen. Da war jeder zweite Nobelpreisträger Deutscher. Die Anforderungen waren hoch: das Abitur erreichten keine 50 Prozent der Oberschüler, und davon waren nicht wenige zwischendurch „sitzen“ geblieben. Der Notendurchschnitt einer Klasse war durchweg eher 3 und höher als niedriger.

Und dann kam 1968. Da hat man den „Bildungsnotstand“ in Deutschland festgestellt, weil, in anderen Ländern gäbe es viel mehr „Studierte“. Nun muss man schon feststellen, dass die Ausrufung des Bildungsnotstands ausgerechnet von denjenigen ins Land posaunt wurde, die gar kein richtiges Studium vorzuweisen hatten. Und natürlich von den Soziologen der Frankfurter Schule, Stichwort Habermas und Adorno. Soziologie, das war sowieso etwas exotisches, Deutschland war durch Naturwissenschaftler und Ingenieure geprägt.  Und war erfolgreich.

Anders als die Psychologen, die etwas von der Sache verstehen, haben zunehmend Soziologen und Politologen sowie Lehrer die öffentlichen Debatten bestimmt. Aus dem Konglomerat der Halb-Gebildeten und Ungebildeten entstand die Bewegung der „Grünen“. Und da gaben bevorzugt gewaltbereite Demonstranten den Ton an, Stichwort Startbahn West (Frankfurt), Wackersdorf (Wiederaufbereitung der Kernbrennstoffe), um die hauptsächlichen Konflikte zu benennen. Die unbedingte Radikalität des Denkens und Handelns hat es geschafft, dass die „Grünen“ – erst einmal insbesondere von der SDP, damals eine Partei, bei der die Interessen der arbeitenden Bevölkerung im Mittelpunkt standen (Arbeiterpartei) mit solch herausragenden Führern wie Georg Leber (Maurer von Beruf) oder Holger Börner (Dachdecker und Ministerpräsident von Hessen), abgelehnt – sich etabliert haben. Eine Bewegung, die vom Establishment als verfassungswidrig angesehen wurde, für die ein allgemeiner Konsens galt, dass keine demokratische Partei mit den „Grünen“ koalieren sollte. Und via „Radikalenerlass“ durften solche Leute auch nicht Beamte werden, prominenter Vertreter ist beispielsweise der Lehrer Jürgen Trittin.

Und dann kam die erste Koalition der Grünen mit der SPD in Hessen: der Taxifahrer, höchster Bildungsabschluss Hauptschule, Joschka Fischer, zog als Minister in den Landtag ein. Nach diesem ersten Sündenfall eroberten die Grünen immer mehr die Meinungsbildung im Land. Dabei sind deren Ansichten kaum weniger radikal als zu Beginn. *1

Die Grünen haben das Land, auch wenn sie nicht in der Regierung saßen, nachhaltig verändert. So haben sie insbesondere die Bildung inflationär begrifflich verändert. Ingenieurschulen – Polytechnikum – wurden zu Hochschulen aufgewertet, Lehrerseminare zu pädagogischen Hochschulen, usw. Als Argumentation diente, dass es in Deutschland viel zu wenige Akademiker gäbe, in anderen Ländern sei das ganz anders. Siehe oben. Nun hat man – entweder aus Unwissenheit oder absichtlich – einfach ignoriert, dass es – weltweit einmalig! – in Deutschland eine Berufsausbildung außerhalb der staatlich kontrollierten Universitäten gab. Die deutschen Facharbeiter, hervorgegangen aus der uralten Tradition der Innungen, bestimmten das Berufsbild, und eine klare Trennung zwischen universitärer – theoretischer – und fachbezogener, praktischer Bildung (duale Berufsausbildung) war gegeben. So etwas gab und gibt es nirgends, z.B. bestimmen in den angelsächsischen Ländern ungelernte bzw. angelernte Arbeiter das Bild. Und was unsere Facharbeiter mit Gesellenbrief darstellen, das sind in diesen Ländern die College Abschlüsse. Dort käme kein vernünftiger Mensch auf die Idee das als „Studium“ anzusehen.

Heute wird ein Lehrberuf schon als „Studium“ angesehen. Und die politischen Führer haben kaum noch irgendwas gelernt – ein Buchhändler (hat der das echt gelernt?) ohne Schulabschluss als Kanzlerkandidat, eine SPD Funktionärin (Vorsitzende!) mit 20 Semestern Germanistik ohne Abschluss, das sind die heutigen Führungspersönlichkeiten. Dann haben sie Abiturprüfungen (Beispiel Berlin), die 50 % bestehen, jedoch die Absolventen kaum richtig lesen und schreiben und schon gar nicht rechnen können. Einzig Bayern und Sachsen haben noch ein bisschen Niveau.

Damit verbunden haben wir eine Inflation guter bzw. sehr guter Noten. Sogar der Philologenverband beklagt, dass fast nur noch Einsen als Schulnoten vergeben würden. Klassenarbeiten werden einfach wiederholt, wenn der Schnitt zu schlecht ausgefallen ist. Zum Abitur kann man sich heraussuchen, welches Fach man gerne hätte, also, von Allgemeinbildung kann man da kaum noch reden. Und da dann die Zahl der Studienabbrecher in die Höhe geschnellt ist, haben wir – nach angelsächsischem Vorbild – einen Schmalspurabschluss, den Bachelor, eingeführt. Das „richtige“ Studium kommt dann hinterher: wer mindestens einen Notenschnitt von 2,5 vorzuweisen hat darf sich zum „Master“ weiterbilden. Der kommt dann in die Nähe eines traditionellen Studienabschlusses, dem Diplom. Jedoch, Ingenieursstudiengänge, Naturwissenschaft, etc. sind unbeliebt, weil zu anspruchsvoll und für den Normalabiturienten nicht zu schaffen, da studiert man dann doch lieber sowas wie Geschichte, da bekommt man vorher gesagt, was in der Prüfung gefragt werden wird. Klar, wenn man die Anforderungen nur niedrig genug ansetzt, schaffen deutlich mehr „Studenten“ einen Abschluss.

Den Un- und Halb-Gebildeten kommt jedoch die Welt ganz einfach vor. „Bio“ und alles ist in Ordnung? E-Autos und die Energieprobleme gibt es nicht mehr? Kraftwerke abschalten, weil der Strom ja sowieso aus der Steckdose kommt? Tolles Weltbild!

Und weil ja sowieso fast jeder einen Einser bekommt, Auswahlkriterien unsozial elitär sind und schlechte Noten den Lebensweg versauen, schaffen wir Noten gleich ganz ab, und die „Inklusion“ erledigt den Rest. Da sollen „Normale“ neben „Hochbegabten“ und „Mongoliden“ lernen. Hauptsache es herrscht „soziale Gerechtigkeit“.

Ich habe in meiner Marburger Zeit gesehen, wie die grüne Bewegung entstanden ist. Die Naturwissenschaftsstudenten, die Medizinstudenten, usw., die haben jeden Tag brav gearbeitet, waren in den Instituten oder Kliniken aktiv. Und dann die „Geisteswissenschaftler“: da war jede Nacht Krach, die haben sich da bestens amüsiert. Studium? Na ja, man ist einmal die Woche in eine Vorlesung gegangen, hat in der Mensa auf geklauten Betttüchern dumme Sprüche abgelassen („es muss doch gelingen, den Sozialismus überall umzusetzen“), hat „gestreikt“ und anständige Menschen vom Studium abgehalten, hat DKP (das waren die Ultrakommunisten „Maoisten“) gewählt (bei Kommunalwahlen 80 %!), hat Reisegruppen gebildet um zu Demos (Startbahn West, Frankfurt, war da in) zu fahren, usw. Damals gab es „BAFÖG“ auf unbegrenzte Zeit, da hab ich einen Soziologie-Studenten getroffen, im 21. Semester, der hat sich beklagt, dass es geplant sei, die Bezugsdauer von BAFÖG zu begrenzen – wörtlich: „da wollen sie mich zwingen zu leben wie ein Tier, wie ein Maurer“ -, das ginge ja gar nicht. Diese Leute hat man dann auf den Gründungsversammlungen der „Grünen“ getroffen. Da wurde geraucht, dass man sein Gegenüber nicht mehr gesehen hat, getagt bis in die frühen Morgenstunden, es wurden die Studentenparlamente erobert (klar, jeder richtige Student musste ja mal gehen, weil der nächste Tag was abverlangt hat), also, von Öko hab ich da nix gesehen. Auf ihren Autos (man hat es sich gutgehen lassen) hatten sie Aufkleber „ich bin Energiesparer“ und „Atomkraft, nein Danke“, die Schrottkisten hinterließen große Ölflecken auf den Parkplätzen, und es gehörte schon zum guten Ton, zu klauen, was das Zeug hält. Exemplarisch ein Zettel in der Sportumkleide: „Wieso klaut ihr denn hier beim Sport? Geht doch zum Karstadt“. Klar, im Kaufhaus klauen ist ja eine gute Tat gegen die Kapitalisten.

Als dann tatsächlich eine Höchstdauer der BAFÖG Zahlungen eingeführt wurde und die Nichtsnutze kein Geld mehr bekamen, sind sie nach Berlin umgezogen, um – das Studium war ja dann bald beendet – der Wehrpflicht zu entgehen. In (West)Berlin (4-Mächte-Status) gab es die nicht.

Diese Taugenichtse, alles Parteimitglieder in der grünen Bewegung, wurden dann Berufspolitiker. Und diese „Eliten“ bestimmen heute die Politik in (West) Deutschland.

Alexander von Humboldt hat einen weisen Spruch getan: „Eine Weltanschauung impliziert, dass man die Welt angeschaut hat“. Nun ja, die Führer dieses Landes mit ihrem „Jodler“-eilpraktiker Diplom (Loriot alias v. Bülow war ein weiser Mann!) wollen die Welt retten (welcher Größenwahn) ohne sie je gesehen zu haben und ohne Grundkenntnisse der Naturwissenschaften und Mathematik. Na ja, einbilden können sie sich das ja…

 

*1

Beispiel Steuerrecht: Hier gibt die durchaus sozialistische Elemente enthaltende Verfassung – Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland – stringent vor, dass entschädigungslose Enteignungen unzulässig sind:

 

Artikel 14

[Eigentum – Erbrecht – Enteignung]

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Artikel 15

[Vergesellschaftung]

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.

Nun wurde bis 1996 in Deutschland eine Vermögenssteuer erhoben, die aufgrund eines Urteiles des Verfassungsgerichts aufgehoben wurde. Die Aufhebung hatte praktische Gründe: Das Gericht sah es als verfassungswidrig an, dass Kapitalvermögen „real“ besteuert wurde, Immobilienvermögen hingegen nur nach Einheitswert. Da der damalige Gesetzgeber die Schwierigkeiten gesehen hatte, das Urteil umzusetzen (schon die Feststellung des realen Werts von Immobilienvermögen ist konkret unmöglich, da der Wert von Immobilien Schwankungen unterworfen ist und vor allem eine solche Substanzbesteuerung bedeutet hätte, dass z.B. Rentner mit ihrer geringen Rente – in Deutschland erhalten mindestens 50 % der Rentner weniger als 800 € monatlich – diese Steuer hätten gar nicht bezahlen können), hat man lieber ganz auf eine Vermögenssteuer verzichtet.

Weiterhin ist es Tatsache, dass bei der sehr hohen Besteuerung der Einkommen eine zusätzliche Vermögenssteuer zu einem – politisch gewünschten – Abschmelzen der Vermögen führt, was wiederum unmittelbar zur Abwanderung großer Vermögen führt, wie das in der Vergangenheit stets zu beobachten war (Beispiel Skandinavien/Schweden), was dann zu einer deutlichen Mindereinnahme von Steuern geführt hatte. Dies war der Grund, weshalb Schweden in einer großen Steuerreform die Abgabenlast massiv reduziert hatte, mit der Folge, dass wieder Vermögen repatriiert wurde und die Steuereinnahmen dadurch wieder stiegen.

Eine schleichende Enteignung findet ja momentan auch dadurch statt, dass die Null-Zins-Politik der EZB bei gleichzeitiger nicht geringer Inflation die Guthaben der Sparer abschmelzen, was auch die offizielle Statistik bestätigt. Naturgemäß leistet die Regierung hier keinen Widerstand, da man sich dadurch deutlich günstiger refinanzieren kann.

Die Grünen haben jedoch die Erhebung einer Vermögenssteuer ganz klar in ihrem Wahlprogramm, was so interpretiert werden muss, dass man Enteignungen wünscht. Dies gilt auch und vor allem für die Unternehmen, die nach Ansicht der Grünen besser ins Staatseigentum zu überführen wären. Natürlich ohne Entschädigung. Hierzu müsste man jedoch durch 2/3 Mehrheit die Verfassung ändern – dies stellt schon ein gewaltiges Hindernis dar, hinzu käme der o.a. Effekt der Kapitalflucht (konnte man in jüngerer Vergangenheit in Griechenland und aktuell in der Türkei beobachten.

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