Arzt und Gesellschaft

Der Arzt – wie man seine Leistungsträger demontiert

 

Es häufen sich Berichte zu Angriffen auf Ärzte. So wurde eine Notärztin in München vor Kurzem von einem Radfahrer schwer verletzt, als sie im Einsatz zu einem Kind befindlich den Notarztwagen verlassen hat. In Offenburg wurde dieser Tage ein Arzt in seiner Praxis erstochen, seine Helferin erheblich verletzt.

Nun scheint es heute „normal“, dass Rettungsassistenten, Feherwehr, Polizei beim Einsatz angegriffen werden. Große Aufregung darüber findet man in den Medien nicht.

Der durch solche Aktionen gezeigte mangelnde Respekt, der auch durchaus als Hass auf den Staat bzw. seine Repräsentanten interpretiert werden kann, wird anscheinend widerstandslos hingenommen. Die Politik reagiert jedoch gar nicht oder sehr zögerlich. Nun ja, Politiker sind ja auch nur in gepanzerten Dienstlimousinen unterwegs.

Viel schlimmer finde ich jedoch die schleichende Missachtung unseres Berufs. Schon der inzwischen häufig gebrauchte Begriff „Schulmediziner“ ist diskriminierend. Wer würde denn „Schulingenieur“ sagen? Oder „Schulsoziologe“? Selbst „Zahnarzt“ ist herabwürdigend – wir sind Fachärzte für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde und für viel mehr zuständig als nur Zähne. Da war es in der DDR besser geregelt: da gab es den „Diplommediziner“ sowie den „Diplomstomatologen“, womit sehr korrekt das Tätigkeitsfeld und die Ausbildung widergegeben wurden. Jedoch die Geringschätzung langer Ausbildungswege ist ja ein allgemeines Phänomen. War den Naturwissenschaftlern ursprünglich das „Diplom“ vorbehalten, hat man die „Fachhochschul“ Ingenieure – ohne etwa die Ausbildung der „Ingenieursschulen“ bzw. des „Polytechnikum“ wesentlich zu ändern – zu „Diplomingenieuren“ hochstilisiert. Und ein AZUBi in Verwaltung oder Finanzamt wurde hochgestuft zum „Diplom“ Verwaltungswirt bzw. Finanzwirt. Ja, sogar Kosmetiker wurden zum „Diplom“ Kosmetiker, und Heilpraktiker absolvieren heute eine „Akademie“, wo sie ihr Nichts lernen. Gegenüber einem Heilpraktiker von der „Akademie“ klingt doch ein Schulmediziner unterlegen.

Der Bologna -Prozess hat auch nicht unbedingt Gutes bewirkt. Jetzt werden „Bachelor“ ohne vernünftiges Berufsbild von den Universitäten und Fachhochschulen entlassen, die bei guter Leistung dann ein Aufbaustudium zum „Master“ dranhängen dürfen. Das Ganze nur, um eine gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse zu vereinfachen – da hat man sich aber eben, wie üblich in der Politik, auf den kleinsten Nenner geeinigt. Und da kommt dann der Flughafen Berlin BER dabei heraus. Oder die Autobahnbrücke in Genua. Kann bei uns nicht passieren? Ich habe da so meine Zweifel, die Reichsbrücke in Wien ist auch plötzlich und mit einem Knall weggebrochen. Der Verkehrsminister hat sicher nicht grundlos eine Überprüfung aller Brücken in Deutschland angeordnet. Bei den geringen Geldmitteln wird das Jahrzehnte dauern, sehr sicher braucht man sich da nicht fühlen.

Dass die Ausbildung bzw. Bildung überhaupt längst nicht topp ist, beweisen neuere Zahlen – in Berlin halten Abiturienten im Leistungskurs Mathematik (das ist freiwillig, Mathe ist kein Pflichtfach im Abitur) nicht mit mit bayerischen Abiturienten im Grundkurs Mathematik (das ist Pflichtfach). Da kann man kaum von „allgemeiner Hochschulreife“ sprechen. Aber, die Arroganz, die haben sie dann doch drauf. Da gibt es dann „Geisteswissenschaftler“ (müssen ja nicht rechnen können), die auf die „Schulmediziner“ herunterschauen und gerne ihr Geld zum Heilpraktiker (pardon, kann auch der „Osteopath“ sein) tragen, weil der ja keine Schule, sondern eine Akademie absolviert hat. Kaum einer hat sich einmal das Heilpraktiker Gesetz von 1937 angesehen, das unverändert, noch heute Grundlage für die Anerkennung als Heilpraktiker ist, da schwände das Vertrauen ganz rasch. Oder auch nicht. Muss ja ein Genie sein, wenn da einer in ein paar Wochenendkursen mehr lernt als der Schulmediziner in 6 Jahren.

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