„Amalgamersatz“ Komposit:
Wie lange sollen wir noch warten?
Wer erinnert sich noch an die unselige Diskussion zu Amalgam? „Amalgam ist Giftig“, das war der Leitsatz – und die breite Öffentlichkeit mit ihren inkompetenten Medien und der Sensationslust hat das den Leuten in die Köpfe gehämmert. Dabei wurde diese aus heutiger Sicht erwiesenermaßen falsche Meinung von der Industrie lanciert. Das heißt, es wurde viel Geld ausgegeben, um Amalgam schlecht zu reden. Der Autor war persönlich Zeuge einer solchen Aktion, da wurde über stattliche Zuwendungen an Presseleute verhandelt, um die Message bekannt zu machen. Und weil selbst in den Fachmedien seitens der „Fachjournalisten“ keine Gegenwehr stattgefunden hat, ist der Materialpreis für eine Füllung geradezu explodiert – kostete das Material für eine Amalgamfüllung etwa 1 bis 3 Mark (also 0,50 bis 1,50 Euro), so sind wir heute bei locker 5 bis 10 Euro. Das ist nicht der Inflation geschuldet, das sind irrwitzige Preisunterschiede zwischen Amalgam und den Kompositmaterialien.
Rechnen Sie doch mal nach: 1 ml Bonding z.B. kostet ab 100 € aufwärts, und eine Tube Komposit ist auch nicht unter 100 € zu kriegen – es sei denn, man bediente sich ausländischer Quellen. Bondung hat die für die Industrie nützliche Eigenschaft sehr schnell zu verderben, und so kann man relativ wenige Füllungen mit dieser Materialkombination legen. Nur das zahnärztliche Honorar, das ja auch die Materialkosten abdecken soll, das ist gleich geblieben. So haben wir die Situation, dass wir in den 90ern etwa 8 Prozent vom Umsatz für Material ausgegeben haben, heute sind es deutlich über 10 Prozent, es können auch 15 Prozent erreicht werden, fast eine Verdoppelung. Dabei sind andere Materialien sogar billiger geworden.
Wer sich der Entwicklung entgegenstellte (wie der Autor) wurde gnadenlos niedergemacht und verfolgt. „Wir haben den Amalgamersatz“, so tönte ein großer Hersteller auf einer „Internationalen Dentalschau“, und andere stießen dann ins gleiche Horn. „Wir haben das schrumpfungsfreie Komposit“ - das haben wir seit Jahren zu hören bekommen, nur, Fakt ist: bis heute gibt es kein schrumpfungsfreies Komposit, nur die Schrumpfung ist etwas geringer geworden. Das nützt uns aber nichts, weil wir immer noch Techniken der Kompensation anwenden müssen, wollen wir nicht eine Randspalt oder eine Infraktur der gefüllten Zähne setzen. Dann kostet nicht nur das Material ein Vielfaches, auch der Zeitaufwand beträgt ein Vielfaches. Und das alles bei eingefrorenem Honorar. Auch aktuelle Symposien, wissenschaftliche Tagungen und Kongresse geben kein anderes Bild: wie eh´ und je muss die Schichttechnik angewandt werden, Bonding ist obligat und die Preise sind Mondpreise. Und wenn der Zahnarzt versucht, dieser Falle aus dem Weg zu gehen? Nun, da hat der Gesetzgeber ja mit der Gewährleistungsforderung dafür gesorgt, dass das nicht möglich ist. Zwei Jahre, da muss man einfach einen Mindeststandard einhalten, und die Gestehungskosten sind damit wesentlich höher als bei der guten alten Amalgamfüllung. Dass da kein falscher Eindruck entsteht: Komposite haben die Zahnheilkunde entscheidend vorangebracht, denken wir nur an die minimal invasiven Techniken, an die gute Ästhetik, usw. Nur, diesen Fortschritt haben die Zahnärzte teuer bezahlt, mit Honorarverzicht! Denn, anderswo kostet Komposit eben 2- bis 4-mal so viel wie Amalgam, und das überaus gerechtfertigt. So, wie die Sache steht, sind die Zahnärzte buchstäblich die Dummen: wer den falschen Versprechungen der Hersteller und der „Fach“Medien glaubt, zahlt die Zeche.
Was Falschaussagen bewirken und wie lange sie sich halten können, haben wir anderswo auch erlebt: Jahrzehnte hat die Tabakindustrie behauptet, Rauchen sei nicht gesundheitsschädlich, und das wider besseren Wissens. Es was eine glatte Lüge. Und die Medien? Die haben weggeschaut, lange, zu lange jedenfalls. Erst neuerdings lassen sich die Medien auf eine Kritik an der Tabakindustrie ein – weil sie wegen des Verbots sowieso keine Werbung mehr kriegen.
Anderes Beispiel Margarine. Da wurde jahrzehntelang behauptet, Margarine sei gesünder als Butter. Als die American Heart Desease Organisation als Ergebnis eines 20-Jahre Follow-Ups feststellte, dass Butteresser durchschnittlich länger leben als Margarine-Fans, hat es eine deutsche Fachzeitung gewagt, dies zu veröffentlichen. Da hat die Industrie massiv interveniert – auch der Autor, damals in Diensten des Verlags, in dem auch die andere Publikation erschien, musste eine Unterwerfungserklärung unterzeichnen, dies zukünftig nie zu behaupten. Die Verlagsleitung sah sich zu dem Schritt veranlasst, weil man gedroht hatte, die Anzeigenetats entsprechend zu überarbeiten. Presse- und Meinungsfreiheit? Lachhaft, auch hier regiert Geld die Welt. Heute schlagen sie eben mit Abmahnungen zu, damit macht man Jeden rasch mundtot, wer kann es sich leisten, mal eben 5.000 € zu zahlen, einfach auf eine Abmahnschreiben hin? Wenn man dummerweise meint, man könnte vor Gericht Recht bekommen, kostet es dann noch mehr. Da ist es allemal besser, eben nichts zu sagen und mit den Wölfen zu heulen, sprich, die Geschenke der Industrie auch anzunehmen. Eigene Meinung hat doch heute sowieso keiner mehr.
Jetzt zur Frage wann wir denn endlich das Versprechen eingelöst bekommen, das man uns seit Jahrzehnten bezüglich Füllungsmaterial gibt. Nun, da kann man auch nur sagen, lass´ alle Hoffung fahren, das kommt sowieso nie. Und alle Anstrengungen der Industrie gipfeln letztendlich ja doch nur darin, dass alles noch mal erheblich teurer wird.
Also; werfen wir die Vertreter, die uns beschwatzen wollen, raus, die stehlen uns nur unsere Zeit. Und sehen wir zu, bei „No-Name“ Herstellern einzukaufen, da wird’s wenigstens ein bisschen preiswerter, von billiger kann man da auch nicht reden. Ist doch sowieso praktisch alles die gleiche Suppe, wenn wir mal ehrlich sind. Und lassen die großen „Sensationsmessen“ weg, kostet zu viel und bringt nichts, weil das dort gezeigte meistens gar nicht lieferbar ist, auch nicht nach Jahren. Da geh´ ich doch lieber auf eine Fachdental, was ich dort sehe, kann ich bestellen und bekomme es auch geliefert. Oder ich bestelle gleich beim Versandhandel oder beim Direktvertrieb. Oder, noch besser, ich nutze meine Urlaubsfahrt dazu, im Ausland deutlich preiswerter einzukaufen, und die schicken mir ihr Zeug auch zu mir nach Hause. Was man da einsparen kann, finanziert den Urlaub, der kostet dann gar nichts mehr. Zeigen wir den Bossen die rote Karte – das große Geldverdienen? Nicht mehr mit uns!