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Editorial

Sozialstaat auf dem Prüfstand

Jährlich verzeichnen wir in der BRD circa 800 Mrd. € an Sozialtransfers. Sozialtransfers, das sind Geldflüsse von den Leistungsträgern hin zu Leistungsempfängern, als da sind Rentner, Kranke, Behinderte, Bedürftige, usw. Nicht gezählt sind dabei Geldflüsse innerhalb der Familie (also z.B. der Unterhalt der Kinder) oder freiwillige Zahlungen (Spenden usw.). Und die Mittel für Sozialtransfers müssen aufgebracht werden von weniger als 50 Prozent der Bevölkerung, da nur noch knapp über 40 Prozent der Menschen in diesem Land selbst für ihren Unterhalt aufkommen (können).

Im gleichen Maße wie die Sozialtransfers zugenommen haben sind die Staatsschulden angestiegen – derzeit klettert die Verschuldung mit atemberaubender Geschwindigkeit, was nur deshalb (noch) keine größeren Probleme macht, weil die BRD als „erstklassiger Schuldner“ nur geringe Zinsen zu zahlen hat – es sind unter drei Prozent. Da die BRD nicht alleine mit solchen gigantischen Lasten für die Zukunft dasteht, haben sich die Staatslenker entschlossen, Vorgaben zum Abbau der Verschuldung aufzustellen. Die G20 Staaten haben am Wochenende 26./27. Juni 2010 in Toronto in einem Konsenspapier verlauten lassen, man beabsichtige bis 2013 eine Halbierung der Neuverschuldung anzustreben.

Bei uns ist die Diskussion und Aufregung über das erste „Sparpaket“ noch nicht abgeebbt, da müsste schon das nächste beschlossen werden, wobei die Erfolge des ersten noch gar nicht sicher sind – das „Sparpaket“ beinhaltet ja z.B. eine Banken- und Finanztransaktionssteuer (was eine neue Steuer mit Sparen zu tun hat?!), die so kaum  umsetzbar sein dürfte, weil die meisten anderen Länder solche Steuern ablehnen. Ein nationaler Alleingang hätte lediglich zur Folge, dass noch weniger Steuern fließen – ist doch klar: dann wird eben in einem Banken-steuerfreien Land gehandelt. Also sind die Beschlüsse zum Sparpaket jetzt schon Luftbuchungen – und dann müsste das nächste ja noch härter ausfallen.

In der ganzen Diskussion um „gerecht/ungerecht“, um „unerträgliche Belastungen für die Armen“ wird leider stets vergessen, dass man nicht mehr verteilen kann als man hat, oder, um das an einem christlichen Beispiel zu verdeutlichen, der heilige Martin hat die Hälfte seines Mantels dem bedürftigen Bettler geschenkt – der konnte aber nicht zwei Mäntel verschenken, weil er sie nicht hatte. Diese einfache Rechnung kann jedes Kind nachvollziehen, nur leider nicht die maßgeblichen Leute in Politik und Medien. Es kann doch nur an den Ausgaben gespart werden – wo denn sonst? Und – klingt schrecklich, aber ist nun mal eine mathematische Antwort – man kann dort am meisten sparen, wo am meisten ausgegeben wird, und das ist nun mal der Sozialbereich (Sozialtransfers). Oder vereinfacht: Deutschland kann sich wohl derzeit den Sozialstaat in seiner jetzigen Form nicht mehr leisten.

Nun kann man schreien „ungerecht“ - nur, wo soll das Geld denn herkommen? Die arbeitende Bevölkerung ist sowieso schon in bedenklichem Maße belastet – wer 50 Prozent oder mehr abgeben muss und dann auch nicht mehr hat als der Sozialhilfeempfänger, der verliert jegliche Motivation zur Arbeit. Das Verfassungsgericht hat geurteilt (und dieses Urteil gilt immer noch!) dass mindestens 50 Prozent des Einkommens beim Leistungsträger verbleiben müssen (ohne Sozialabgaben! Die erhöhen die Abgabenlast weit über 50 Prozent)). Insofern sind Diskussionen über „Reichensteuer“ schon ziemlich dümmlich – nicht nur, dass die bisherige Reichensteuer (da gibt’s schon eine) nichts gebracht hat, man darf gar nicht höher gehen. Bei der Entscheidung des BVVG zur Hälftigkeit des Einkommens muss ja auch der Solidaritätszuschlag berücksichtigt werden. Nun wird auch über die Streichung von „Steuerprivilegien“ nachgedacht – nur, am Beispiel Pendlerpauschale oder Abzugsfähigheit der Krankenversichungsbeiträge hat das oberste Gericht der Regierung auch schon die gelbe Karte gezeigt, es sind keine Privilegien, wenn man Kosten, die wegen der Arbeitstätigkeit anfallen, von der Steuerschuld abzieht, das sind Grundrechte! Und die ebenfalls ins Gespräch gebrachte Vermögenssteuer? Wissen die Leute denn nicht, dass es die im Gesetz zwar gibt, der Vollzug aber ausgesetzt werden musste wegen Verfassungswidrigkeit? Eine Vermögenssteuer wird vom BVVG als Enteignung gesehen (was sie ja auch ist), und die ist nicht gestattet. Da müsste man schon die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft verlassen und einen neuen Staat ausrufen.

Auch die Diskussion über ein stetig weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft – sprich, die Kluft zwischen Reich und Arm wird permanent größer – ist kurzsichtig. Diese Kluft tut sich ja nur deshalb auf, weil die arbeitende Mittelschicht wegbricht – das Bindeglied fällt langsam aber sicher den Sozialtransfers zum Opfer. Das Problem ist doch: die Reichen können das Land verlassen, die gehen dorthin, wo sie weniger diskriminiert und verfolgt werden (da hatten die Skandinavier schon einschlägige Erfahrungen damit!) - es bleiben nur die arbeitenden Leistungsträger übrig, die alle Last schultern sollen. Da hilft kein noch so frommer Wunsch: ohne gravierende und schmerzhafte Einschnitte in Sozialtransfers bzw. soziale Leistungen wird man nie und nimmer vom Schuldenberg herunterkommen. Bloß, dass jede Regierung diese undankbare Aufgabe gerne den Nachfolgern überlassen würde. Und dabei läuft uns allen die Zeit davon...

 

Politik – alles nur plumpe Propaganda?!

 

Der derzeitige Gesundheitsminister haut dem Fass die Krone ins Gesicht: um dem sich abzeichnenden Ärztemangel abzuhelfen posaunt er in die Öffentlichkeit, man müsse nur den Numerus clausus abschaffen, dann gäbe es schon ausreichend viele neue Ärzte. Kennt der (selber Mediziner!) eigentlich die Ausbildung nicht? Kann eigentlich nicht sein. Aber, dann muss man ihm vorsätzliche Irreführung vorwerfen.
Denn: der Numerus clausus ist ja nicht ein Instrument um junge Menschen vom Studium abzuhalten, sondern ein Ergebnis einer Mangelverwaltung. Weil viel mehr Bewerber als Studienplätze vorhanden sind muss man irgendwie eine Begrenzung schaffen, und das ist seit Jahrzehnten der NC. Ohne NC gibt´s aber auch nicht mehr Plätze – denn die werden bestimmt durch das Geld, das für die Hochschulausbildung ausgegeben wird, und ohne Geld gibt es keine Ausbildungsplätze, es sei denn, wann würde Inhalte abmagern. Mehr Studenten bei gleichbleibendem Lehrkörper (die sind sowieso schon überlastet) und gleichen Einrichtungen (bürokratisch nennen wir das „Kapazität“), das haben nicht mal Gerichte – es klagen sich ja immer wieder Studienplatzbewerber über vermeintlich freie Plätze ein – als Lösung sehen können. Das Ergebnis bisheriger Fehler sehen wir täglich: die Ausbildung der Jungärzte wird immer schlechter, es zeichnen sich jetzt schon Verhältnisse wie in Österreich ab (dort haben sie gerade keinen Numerus clausus) mit Studenten auf den Gängen und vollen Seminaren, nur macht so etwas überhaupt keinen Sinn – wie will man denn Jungärzte auf die Menschheit loslassen, die keinen Platz im Anatomiekurs finden konnten (Leichen gibt es nun mal nicht unbegrenzt) oder die in vierter Reihe hinten am Patientenbett gestanden haben?! Amerika hat es da besser: bei denen sind die Kurse klein (höchstens 15 bis 20 Studenten kommen auf einen Betreuer), nur, das kostet auch richtig Geld. Was will Rösler also? Will er die Studenten zahlen lassen? Oder wo möchte er das viele Geld hernehmen, das eine Kapazitätsvergrößerung kosten würde? Und das von den Ländern aufzubringen wäre (Herr Kollege Rösler, die Bildungsetats gehen immer noch zu Lasten der Bundesländer!)! Oder möchte er (schön getarnt durch den „Bologna-Prozess“) Schmalspurmediziner produzieren lassen? Indem er wesentliche Studieninhalte einfach weglässt?!
Die Zusammenhänge sollte jeder Gesundheitsminister kennen, und ein Arzt sowieso!
Also sind es plumpe Lügen? Oder hat das BMG nur das Ziel, den freien Arzt einfach abzuschaffen? Das wäre eine Erklärung: das Studium befähigt niemanden mehr, den Arztberuf auszuüben, das muss dann „post graduate“ passieren, und die post graduate Ausbildung findet im Krankenhaus statt. Dazu würde auch passen, dass sogar von Seiten der KV (!) die Trennung ambulant/stationär aufgegeben wird (wurde so am letzten Ärztetag vorgeschlagen). Der frei praktizierende Arzt soll durch ambulante Stationen im Krankenhaus sowie Polikliniken ersetzt werden. Das kostet zwar auch nicht weniger als das bisherige System (eher mehr), erinnert aber fatal an die DDR. Dort gab´s fast doppelt so viele Ärzte wie im Westen, nur, die Versorgung der Patienten konnte wohl so gut nicht gewesen sein, schaut man auf die durchschnittliche Lebenserwartung…
Für die Politik hat das schon einen Reiz: wenn ein so wesentlicher Teil der Versorgung der Bürger wie das Gesundheitswesen ganz in die Hände des Staates fällt bedeutet das einen gigantischen Machtzuwachs, und Macht ist ja wohl ein Hauptmotivationsfaktor um in die Politik zu gehen. Dann werden die Bürokraten wieder Herren über Leben und Tod – toll, nicht?
Und die letzten freien (Zahn)Ärzte werden gegängelt, drangsaliert und wirtschaftlich ausgehungert – kennt man auch aus der DDR.
Dass das BMG seit Jahrzehnten darauf abzielt, das Gesundheitswesen zu verstaatlichen, haben wir seit Jahrzehnten leidvoll erfahren dürfen, und dass man zwischen Ärzten und Zahnärzten Unterschiede machen würde kann auch nur ein Idealist glauben mögen. Wer erinnert noch, dass man die Pläne hatte, KV und KZV zusammenzulegen? Ist gar nicht so lange her, und die Pläne dazu schlummern sicher noch in den Schubladen. Dass Minister meist nicht sehr gut in die Materie eingearbeitet sind, wissen wir – die verlassen sich überwiegend auf die Beamten in ihren Ministerien, und die werden ja nie ausgewechselt bei einer Wahl. Die Bürokraten herrschen in Wahrheit, nicht die Minister, die dürfen nur ihren (politischen) Kopf hinhalten wenn was schiefgeht. Dass die auch nur ihre Macht erhalten wollen, nun ja, ist halt so. Wie sonst könnte man erklären, dass der Kollege Heubisch bisher kein Wort zu dem Unsinn Röslers gefunden hat, obgleich doch Heubisch zuständig wäre für das Geld, das den Universitäten zusätzlich für neue Studienplätze gegeben werden müsste? Macht korrumpiert offensichtlich, da hilft es auch nicht, wenn Fachleute ans Ruder kommen…
Schöne neue Welt!
 

 

Die Griechenlandkrise – was denken sich Politiker eigentlich?

 

Als es bekannt wurde, dass der griechische Staat Probleme bekommen könnte hat sich die Kanzlerin sofort vor die Öffentlichkeit gestellt und eine rasche und unbürokratische Hilfe zugesagt. Acht Milliarden sollten es sein, die man in die gemeinsame europäische Kasse einbringen wollte, viel mehr als jedes andere Land. Der internationale Applaus war ihr da schon mal sicher. Nur, als es dann ernst wurde und Gelder fließen sollten, da kam plötzlich ein ...aber... Was bitte soll das jetzt? Hat die deutsche Bundeskanzlering kalte Füße bekommen, weil Bildpostillen sich daran reiben?

Gehen wir mal mit dem gebotenen Ernst an die Sache ran – denn wenn es nicht zum weinen wäre müsste man lachen. Da hat die BRD einen Schuldenberg, der schwindlig macht, mit der größten Neuverschuldung alle r Zeiten – mehr als direkt nach der Widervereinigung! -, da kann man schon nachdenklich sein, wenn es um weitere Ausgaben geht. Nur – erst mal hat man das Kindergeld erhöht (wozu? Die Hartzer kriegen´s nicht, und die anderen brauchen es nicht), dann redet man ohne Not über Steuersenkungen (wozu? Wenn man sowieso nicht genug hat?), und jetzt die international beklatschte Großzügigkeit. Wann hat eigentlich Frau Merkel zuletzt mal jemanden von der Straße gefragt, was der/die will?

Nun gut, die Zusage ist gemacht, da kann man nicht zurück. Wie sähe das denn aus, wenn ein Regierungschef bindende Zusagen macht (von irgendwelchen Konditionen, Rückfragen etc. war nicht die Rede) und dann nicht Wort hält – der Schaden an der Glaubwürdigkeit eines deutschen Kanzlers wäre unermesslich – der ist jetzt schon groß genug. Niemand hat von Merkel gefordert, dass sie solche Versprechen abgibt, nur, jetzt kneifen, das geht echt nicht. Lösbar wäre dieser Konflikt nur, wenn sie entschlossen zurückträte, wenn sie´s in der Koalition nicht durchbringt – Schröder hat das so gemacht, so was nennt man Ehrgefühl!

Und worum geht es letztendlich? Die Griechen haben seit langem über ihre Verhältnisse gelebt, das war aber immer bekannt, das ist nicht neu. Hätte man ja nicht eintreten lassen müssen in den Euroraum. Und außerdem gibt’s da noch mehr schwarze Schafe, weiß ja jeder. Die Deutschen halten sich ja auch seit Jahren nicht an die Eurokriterien und geben massiv mehr aus als sie einnehmen. Natürlich muss man da das Ruder mal rumwerfen, kann ja nicht sein, dass griechisch-stämmige Ärzte aus Deutschland abwandern und nach Griechenland emigrieren, weil sie dort unter dem Strich mehr verdienen als bei uns, und wir finanzieren das dann noch. Aber das ist doch nicht überraschend gekommen – weshalb hat man nicht früher schon mal was unternommen? Und jetzt sollen´s die Spekulanten gewesen sein. Und weil man einen Schuldigen ausgekuckt hat sollen „die Banken“, liebstes Feindbild, zahlen. Ja, haben die denn Zusagen gemacht? Natürlich nicht, die hat Merkel abgegeben. Und dann sollen die Banken zahlen? Merkwürdige Moral ist das. Seien wir bloß froh dass derzeit die Banken als Volksfeinde dienen – sonst wären´s wieder die Zahnärzte. Was die mit der Schuldenkrise zu tun haben? Keine Ahnung, aber da ließe sich doch immer was finden, hat doch bisher auch geklappt.

Und durch dieses komische Rumeierei steigen die Zinsen für die Griechen ins unermessliche – was denn, wenn das mal jemand anderes mit den Deutschen macht? Wenn Deutschland dann auch mal an die zehn Prozent Zinsen zahlen muss? Mal ehrlich, hatten wir ja schon mal, Zinsen in zweistelliger Höhe, den Sozialisten war´s gedankt. Da müssten wir 100 Prozent Steuern zahlen und der Haushalt wäre immer noch nicht ausgeglichen, kann jeder nachrechnen. Also: nicht rumeiern, sondern in den sauren Apfel beißen, zahlen, wenn auch zähneknirschend, und endlich anfangen vor der eigenen Türe zu kehren! Da fiele mir schon vieles ein, was man an Ausgaben sparen könnte. Das schlimmste was uns passieren kann ist, dass das Vertrauen in Deutschland als verlässliche Größe im internationalen Geschäft schwindet – denn das zeigt die Griechenlandkrise, da steigen die Zinsen ganz ganz schnell. Und das trifft dann nicht nur den Staat, das trifft jeden – oder wollen Sie ihre Praxisverbindlichkeiten auch mit zehn Prozent bedienen? Bei immer kleiner werdenden Honoraren?

Die Bundesregierung spielt mit dem Feuer – das macht sie seit Jahrzehnten mit steigendem Erfolg. Die niedrige Wahlbeteiligung? Klar, wer zur Wahl geht kommt sich doof vor, weil hinterher sowieso alles anders kommt als vor der Wahl versprochen. Einem Gesundheitsminister glaubt auch niemand mehr etwas, egal aus welcher Partei der auch immer kommen mag. Gelogen hat noch jeder. „Jahrhundertreform“, das haben wir in der GKV gesehen, hält mal eben zwei drei Jahre, eine Rentenreform wird, kaum ist die Tinte trocken, auch schon wieder umgestoßen – so schafft man kein Vertrauen! Könnte man meinen, wenn keiner mehr zur Wahl geht, dann regieren die noch ungestrafter. Wenn das mal kein Trugschluss ist. Auch die niedrige Wahlbeteiligung bei den (Zahn)Ärzten (Kammerwahl etc.) hat Folgen, nämlich die, dass die Vertretung immer inkompetenter wird. Ganz wie in der großen Politik eben. Und wenn dann mal einer kompetent und glaubwürdig wirkt, dann machen ihn die Neidhammel ganz schnell nieder – Beispiel Guttenberg. Es ist zum Heulen...

 

  

Unser Sozialstaat – ein Auslaufmodell?

Kaum hat Westerwelle was gesagt zu Hartz IV, schon wurde er böse angegriffen und in „die braune Ecke“ gestellt (denkwürdig der Eklat in der Münchner „Fastenpredikt“). Was das mit braun – also neofaschistisch – zu hätte, erschließt sich keinem vernünftigen Menschen. Denn, ausgerechnet die Sozialdemokraten haben jetzt nachgelegt: die Kandidatin für NRW, Kraft, hat schon mal die Wahrheit rausposaunt, dass ein Großteil der heutigen Hartzer praktisch gar keine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt hätten und besser für gemeinnützige Tätigkeiten eingesetzt würden – hat ihr auch Kritik eingebracht, aber ebenso auch viel Zustimmung. Jetzt hat sich auch Sarrazin wieder mal zu Wort gemeldet und vorgeschlagen, dass wer schlecht in der Schule sei eben weniger Geld bekommen sollte – das ist logisch weiter gedacht. Nur mit einem Minimum an Bildung hat man am Arbeitsmarkt Chancen. Und der prominente Ex-SPDler Clement hat in einer Fernsehdiskussion auch in die gleiche Kerbe gehauen wie alle seine früheren Parteikameraden aus der Schröderära. Wenn die SPD so weiter macht steigen die Chancen gewaltig, dass sie die Regierungsgewalt wieder erringt – denn, die aktuelle Regierung will erkennbar nur Wählerstimmen kaufen, obgleich die Staatskassen wirklich leer sind. Und das kauft ihnen eben auch das Wahlvolk nicht mehr ab, siehe die erdrutschartigen Verluste der CSU in Bayern, die eine heftigen Linksruck hinter sich hat mit ihrem neuen Vorsitzenden Seehofer, der bei uns Zahnärzten ja auch eine traurige Popularität hat (wer vergisst schon seine Sprüche betreffs „Ärztepack“?).

Wir müssen gar nicht auf Griechenland, Italien usw. zeigen, wir können das auch sehr gut, das mit den Tricksereien. Anstatt die Angliederung der DDR aus dem Steuersäckel zu bezahlen hat man die Kosten verschleiert und das Geld aus den Sozialkassen genommen, mit gravierenden Folgen. Das Sozialsystem mit den „Versicherungen“ (Versicherungen arbeiten anders, Sozialabgaben sind Steuern, die man nur nicht so nennt) ist schon so marode, dass man es kaum noch reformieren kann, man müsste es vollkommen abschaffen und bei Null wieder aufbauen.

Schauen wir uns doch bloß mal die Entwicklung der Lohnnebenkosten an:

Die hälftigen Arbeitnehmeranteile der letzten 60 Jahre:

         1950-53    1955    1960   1965   1970    1975    1980   1985    1990   1995    2000   2005   2009/10

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GKV      3,0        3,1       4,2     4,95     4,1   4,7/5,2    5,7   5,7/6,1    6,3      6,6    6,80    7,10     7,00 

RV         5,0        5,5       7,0     7,0      8,5       9,0      9,0     9,6      9,35     9,3     9,65    9,75     9,95

AL         2,0        1,5       1,0     0,65    0,65      1,0     1,5     2,05     2,15     3,25   3,25    3,25     1,40

Pflege                                                                                                     0,50    0,85    0,85    0,975

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Summe 10,0      10,1     12,2    12,6   13,25    15,2    16,2   17,75    17,80  19,55   20,55  20,95  19,325

Das kann auch Lieschen Müller nachvollziehen, wenn sie auf die Lohnabrechnung schaut. Was sie aber nicht weiß, ist, dass kein Unternehmer (Arbeitgeber) nur den Bruttolohn kalkulieren kann und darf, denn, die echten Kosten eines Arbeitnehmers liegen beträchtlich darüber. Dazu die gleiche Tabelle, ergänzt durch den Arbeitgeberanteil:

Gesamtbeitragssätze x 2  AN+AG zusammen:

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1950-53    1955    1960   1965   1970    1975    1980    1985    1990   1995    2000   2005   2009   

GKV      6,0        6,2       8,4     9,90     8,2  9,4/10,4  11,4 11,4/12.2 12,6    13,2    13,6    14,2        14  

RV       10,0        11        14       14       17       18       18      19,2     18,7    18,6    19,3    19,5     19,9

AL         4,0        3,0       2,0     1,30    1,30     2,0       3,0      4,1      4,3      6,5      6,5      6,5        2,8

Pflege                                                                                                       1        1,7      1,7      1,95

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Summe 20,0      20,2     24,4    25,2   26,50    30,4     32,4    35,5     35,6    39,1   40,11   41,9    38,65  

Aber, auch das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn, der Arbeitgeber zahlt die betriebliche Unfallversicherung ohne Beteiligung des Arbeitnehmers, er bezahlt Urlaub und Krankheit sowie Mutterschutz (beim Arzt/Zahnarzt besonders delikat, weil ab bekanntwerden der Schwangerschaft sofort das Verbot infektionsgefährdeter Tätigkeiten eintritt – wie jedoch soll ein Arzt oder Zahnarzt eine Mitarbeiterin weiter beschäftigen, wenn nicht in der Praxisarbeit? Nur an der Rezeption bzw. am Schreibtisch?!

So kommt nochmal was drauf, was kalkuliert werden muss – die Volks- und Betriebswirte rechnen etwa 180 bis 190 % des Bruttolohns als „echte Kosten“, und wenn das in der Mindestlohn- und Hartz IV-Debatte endlich mal korrekt berücksichtigt wird, ergibt sich schon, weshalb gering Qualifizierte gar keine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt haben – deren Produktivität, d.h., das was sie real leisten, ist einfach nicht hoch genug, um einen so hohen Lohn zugestanden zu bekommen, den sie aber bräuchten, um mit einem Hartzer mithalten zu können. Da muss man gar nicht an Kommastellen rumrechnen – nehmen wir mal an, ein Hartzer kriegt 1000 € monatlich (dazu gibt´s ja Sonderleistungen usw. wollen wir gar nicht mit einbeziehen), dann müsste ein Arbeitnehmer immerhin (siehe oben) brutto 1200 € zugestanden bekommen (nur für die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung), dabei fällt er sogar schon in die Steuerpflicht, also darf´s gleich ein bisschen mehr sein, packen wir also nochmal einen Hunderter drauf. Da sind wir bei 1300 brutto, bei 180 % sind wir jetzt bei 2300 monatlich, die dieser Mensch echt erwirtschaften müsste – da sind aber noch keine Arbeitsmittel berechnet, denn, der Arbeitsplatz kostet ja auch was, die 2300 würden nur für einen Heimarbeiter gelten. Wenn man was gelernt hat geht die Rechnung auf, nicht jedoch für Leute, die nicht mal den Hauptschulabschluss geschafft haben. Beim Arbeitsamt (Verzeihung, heißt ja jetzt hochtrabend Arbeitsagentur) wissen sie das und haben die Konsequenzen draus gezogen: wer keinerlei Bildung oder Ausbildung hat wird gar nicht erst belästigt, der kriegt sein Hartz IV und hat seine Ruhe. Und wer irgendwo eine Qualifikation erworben hat, der wird getriezt, der darf im Wochen-Rhythmus antraben, muss Berge an Bewerbungen schreiben, usw. Das spricht sich rum – wir werden ganze Generationen an Hartzern bekommen, weil wir Hartzer Familien haben, in denen es Tradition ist, nie offiziell zu arbeiten – mit Schwarzarbeit kann man sich ja das Taschengeld aufbessern. Der Berliner Ortsbürgermeister Buschkowsky hat, ebenso wie sein früherer Politikerkollege (Berliner Finanzsenator) Sarazzin, alles altgediente SPDler, versucht, die Problematik ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – bisher vergebens. Die CDU unter Merkel hat die Schröder-SPD längst links überholt und ist auch noch stolz drauf, und die CSU, die ist unter Seehofer ebenfalls links runtergefallen, auch in der Wählergunst. Grade noch 40 Prozent, und das innerhalb von zwei Jahren, nach stolzen 60 unter Stoiber – kaum zu glauben, dass das bisher keine Folgen in der politischen Ausrichtung hatte. Immerhin, Westerwelle hat´s anscheinend kapiert, die Umfragewerte der FDP gehen wieder etwas nach oben nach seinem verbalen Angriffen auf diesen unseren Sozialstaat. Wird auch wieder nachlassen die Begeisterung, wenn die Wähler sehen, dass den Worten keine Taten folgen…

 

Die Grenzen des Wachstums

besinnliche Gedanken zur Weihanchtszeit

 

Derzeit flattern wieder die Bettelbriefe der Hilfsorganisationen ins Haus. Grundtenor: ich solle doch an all die armen notleidenden Menschen auf der Welt denken, wenn es mir doch so gut geht. Nun ja, hungern und frieren, das kennen wir heute nicht mehr, ich erinnere mich aber dabei an meine Kindheit, da war das tägliches Erleben. Wäre schön gewesen, hätte da wer geholfen. So könnte man schon weich werden.

Nur, dazu mal ein paar grundlegende Gedanken, auch wenn diese nicht so ganz in die rührselige Stimmung der Vorweihnachtszeit passen. Nur, irgendwer muss doch mal anfangen Fragen zu stellen und sich Gedanken machen – man kann doch nicht nur mit Gefühlen Stimmung machen!

Erst mal: geht es mir als Zahnarzt tatsächlich vergleichsweise so gut? Da kenne ich aber andere, denen es besser geht: Juristen sind aktuell die bestverdienende Berufsgruppe - Beratung beim Anwalt 300 €, beim Zahnarzt 9 € (privat) -, Künstler, Sportler, insbesondere Fußballer, Fernseemoderatoren, die sahnen in ganz anderen Grüßenordnungen ab. Manager kriegen Millionengehälter auch dann, wenn sie den geleiteten Betrieb in den Konkurs geführt haben (siehe Karstadt-Quelle), und sogar Handwerker schreiben ganz andere Rechnungen. Da hat man den Eindruck, ich kriege die Bettelbriefe nur deshalb, weil jemand meine Adressdaten an die Organisationen verkauft hat Kann eigentlich nur eine „öffentliche“ Stelle gewesen sein, ich hab´s jedenfalls nicht rumposaunt.

Als Zahnarzt kommt man sich auch veralbert vor, wenn man die Rechungen der Dentalindustrie mal kritisch prüft – anderswo bekommt man das identische Produkt teilweise um zweistellige Prozentbeträge billiger, da fragt man sich, weshalb das so sein muss. Schließlich sind deutsche Zahnarzthonorare auch nicht Weltspitze, wieso müssen das dann die Dentalproduktpreise sein? Die Industrie spendet jedenfalls nichts für uns, die hilft mir nicht im täglichen Bemühen, über die Runden zu kommen. Und dann werde ich auch noch belogen – da werden Produkteigenschaften behauptet, die so nicht stimmen, da wird mir eingeredet, ich müsse nur Produkt XY kaufen, dann kämen die Patienten in Strömen und ließen viel Geld bei mir liegen – als wenn Geld verdienen so einfach wäre, mit Budgets )Wachstumsbremse Nr. 1) Honoraren von 1965 (GOZ) und Banken, die kaum noch was ausleihen..

Letzte News dazu: die Privatversicherer – Zahnzusatzversicherungen sind ja derzeit der Renner – finden es „unverschämt“ wenn der Zahnarzt für eine Untersuchung auf Vorschäden und den Bericht dazu ein angemessenes Honorar haben möchte (z.B. bietet Karstadt-Quelle dafür etwa 18 €, CSS zahlt gar nichts), und das wird damit begründet, dass man ja nach Vertragsabschluss einen „Privatpatienten“ mehr hätte. Nur, wer sagt mir denn, dass dieser Patient dann auch tatsächlich mein Patient bleibt, den ich dann mit Niedrighonorar (siehe oben) behandeln darf? Einer gewinnt jedenfalls sicher, nämlich die Versicherung bzw. der Makler..

Und dann noch was prinzipielles; wie könnte ich, wenn es wollte, wirklich helfen? Und wofür bezahle ich eigentlich Steuern, die die Staatsführung nach eigenem Gusto ausgibt, ohne mich je zu fragen? Beim öffentlichen Betteln auf der Strasse pflege ich schon mal zu antworten „ich spende schon beim Finanzamt“ - ist das denn nicht genug? Und wofür wird das gesammelte Geld eigentlich ausgegeben? Helfe ich tatsächlich, wenn ich spende?

„Ein Planet wird geplündert“ - wer erinnert sich noch an diesen Titel? Da hat ein CDU (!)-Abgeordneter, Herbert Gruhl, ein paar sehr kluge Gedanken zusammengetragen und ein Buch geschrieben, das zum Geburtshelfer der „Grünen“, der ganzen Öko-Bewegung wurde. Im Wesentlichen handelt es sich darum: die Erde als solche ist endlich, und damit auch ihre Ressourcen. Kann wohl Jeder nachvollziehen. Nur, die Folgerungen daraus sind umstritten. Während Gruhl schloss, dass bei einer Verknappung einzelner Ressourcen (z.B. Bodenschätze, Grund und Boden, Nahrungsmittel, etc.) der Preis steigen müsse, hat die Grünenbewegung nach der Vereinigung mit der extremen Linken andere Schlussfolgerungen gezogen. Bis heute ist es das Ziel, Ressourcen „gerechter“ zu verteilen.

Nun ist Gerechtigkeit ein hohes Gut, das man nicht aufgeben sollte. Andererseits streiten die Gelehrten darüber, was überhaupt unter „Gerechtigkeit“ zu verstehen sei, da gibt’s nämlich keine einheitliche Auffassung. Aber nehmen wir mal an, die Menschheit könnte sich auf eine einheitliche Form der Gerechtigkeit verständigen – das würde das Problem nicht lösen, eher im gegenteil. Denn: je mehr Verteilungsgerechtigkeit wir herstellen, desto rascher ist der Planet am Ende.

Beispiel Rohstoffe: je mehr Menschen man die Annehmlichkeiten des modernen Lebens zugänglich macht, desto rascher sind die Vorräte erschöpft. Dies gilt für Erze ebenso wie für Energie oder Nahrungsmittel. Lebensmittel als Rohstoff? Wir können nur deshalb so viele Nahrungsmittel auf beschränktem Raum produzieren, weil wir riesige Mengen an Energie dafür einsetzen. Ohne den hohen Energieeinsatz würde der ertrag der Landwirtschaft extrem schrumpfen – denken wir doch mal an die Nahrungsmittelknappheit in Deutschland vor nur 200 Jahren . Erst durch die Erfindung des Kunstdüngers, wie der Nutzung von Düngemitteln überhaupt, konnte die landwirtschaftliche Produktion auf früher für unmöglich gehaltene Mengen gesteigert werden. Die Herstellung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist jedoch mit hohem Energieinsatz verbunden – und Energie, das heißt heute immer noch „Primärenergei“, also Kohle und Öl. Nun ist es ja nicht nur so, dass die Vorräte an Kohle und Öl in absehbarer Zeit erschöpft sein werden – die anderen Nebenwirkungen werden auch langsam bekannt: die globale Erwärmung ist wohl einr nicht mehr wegzudiskutierende Tatsache. Metalle kann man recyclen, Primärenergie nicht.

Selbst wenn wir in den hochzivilisierten Ländern auf alle Annehmlichkeiten, wie warme Häuser, individuelle Mobilität (Auto!)usw. Verzichten würden, sind wir immer noch auf große Mengen an Primärenergie angewiesen (wegen der erforderlichen Nahrungsmittelproduktion). Nun sind wir jedoch nicht alleine auf der Welt – denken wir an die 2,5 Mrd. Menschen in China und Indien, dann an die gigantischen Menschenmassen in Afrika und Südamerika sowie im restlichen Asien -, und alle wollen genauso gut leben wie wir. Da ist das Ende mit mathematischer Präzision vorhersagbar. Dann gilt der alte Indianerspruch „wenn erst alle Bäume abgeholzt und alle Tiere aufgegessen sind...“

Nun kann man dieser Zukunft auf zweierlei Weise zu begegnen suchen: wir schotten uns ab und hoffen, für den absehbaren Energienotstand schon rechtzeitig irgendeine Lösung zu finden, wobei wir den Rest der Menschheit einfach dem Schicksal überlassen, was heißt, die Leute verhungern einfach, oder wir zeigen uns solidarisch und gehen mit unter. Die beste aller Lösungen jedoch scheint nicht durchsetzbar: eine weise Selbstbeschränkung – und das würde heißen, strikte Geburtenkontrolle. Die wohl wichtigste Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts, „die Pille“, würde das ja leicht ermöglichen. Europa beispielsweise wächst nicht mehr, man geht von eher schrumpfender Bevölkerung aus, das verdanken wir diesem Präparat, das in den Laboren eines Berliner Unternehmens entwickelt wurde. Und wider in Berlin werden nun Überlegungen angestellt, wie man die Zahl der Menschen wieder erhöhen könnte – ganz absurd, so was. Wenn es für die jetzige Generation schon ncith mehr reicht (global gesehen), was soll dann eine weitere Vermehrung? Wir sollten eher aktiv werden, um die Vermehrung auch anderswo zu stoppen! Könnte man ja so gestalten, dass Hilfslieferungen ausschließlich mit Contraceptiva versetzt angeboten werden. Ein heute verhütetes Kind wird damit sicher vor dem Hungertod bewahrt, das ist moralisch kaum angreifbar. Trotz aller Bemühungen nämlich, die Ressourcen zu schonen, ist das Ende absehbar – wer jetzt nicht handelt, versündigt sich an den Nachkommen!

Deshalb: keine Spenden an „hungernde Kinder in Afrika“ (oder sonstwo), weil dadurch die Katastrophe nur noch rascher kommt. Lassen Sie sich nicht einwickeln von der Weihnachtsstimmung – abgesehen davon, dass ein nicht geringer Teil der Spenden sowieso nie ankommt, die Hilfen wären nur zu rechtfertigen, wenn die Geburtenkontrolle damit verbunden wäre. Alles andere ist blanker Irrsinn. Gerade an Ärzte gehen derzeit die Bettelbriefe raus – haben Sie mal daran gedacht, was alleine der Versandt solcher Briefchen kostet? Und das soll man mit Spenden finanzieren? Setzen Sie ein Zeichen für mehr Menschlichkeit und Kitgefühl: spenden Sie so lange nicht, nis endlich die Bevölkerungsexplosion gestoppt wird bzw. spenden Sie nur für Aktionen, die in diese Richtung zielen!

 

Amalgamersatz“ Komposit:

Wie lange sollen wir noch warten?

 

Wer erinnert sich noch an die unselige Diskussion zu Amalgam? „Amalgam ist Giftig“, das war der Leitsatz – und die breite Öffentlichkeit mit ihren inkompetenten Medien und der Sensationslust hat das den Leuten in die Köpfe gehämmert. Dabei wurde diese aus heutiger Sicht erwiesenermaßen falsche Meinung von der Industrie lanciert. Das heißt, es wurde viel Geld ausgegeben, um Amalgam schlecht zu reden. Der Autor war persönlich Zeuge einer solchen Aktion, da wurde über stattliche Zuwendungen an Presseleute verhandelt, um die Message bekannt zu machen. Und weil selbst in den Fachmedien seitens der „Fachjournalisten“ keine Gegenwehr stattgefunden hat, ist der Materialpreis für eine Füllung geradezu explodiert – kostete das Material für eine Amalgamfüllung etwa 1 bis 3 Mark (also 0,50 bis 1,50 Euro), so sind wir heute bei locker 5 bis 10 Euro. Das ist nicht der Inflation geschuldet, das sind irrwitzige Preisunterschiede zwischen Amalgam und den Kompositmaterialien.

Rechnen Sie doch mal nach: 1 ml Bonding z.B. kostet ab 100 € aufwärts, und eine Tube Komposit ist auch nicht unter 100 € zu kriegen – es sei denn, man bediente sich ausländischer Quellen. Bondung hat die für die Industrie nützliche Eigenschaft sehr schnell zu verderben, und so kann man relativ wenige Füllungen mit dieser Materialkombination legen. Nur das zahnärztliche Honorar, das ja auch die Materialkosten abdecken soll, das ist gleich geblieben. So haben wir die Situation, dass wir in den 90ern etwa 8 Prozent vom Umsatz für Material ausgegeben haben, heute sind es deutlich über 10 Prozent, es können auch 15 Prozent erreicht werden, fast eine Verdoppelung. Dabei sind andere Materialien sogar billiger geworden.

Wer sich der Entwicklung entgegenstellte (wie der Autor) wurde gnadenlos niedergemacht und verfolgt. „Wir haben den Amalgamersatz“, so tönte ein großer Hersteller auf einer „Internationalen Dentalschau“, und andere stießen dann ins gleiche Horn. „Wir haben das schrumpfungsfreie Komposit“ - das haben wir seit Jahren zu hören bekommen, nur, Fakt ist: bis heute gibt es kein schrumpfungsfreies Komposit, nur die Schrumpfung ist etwas geringer geworden. Das nützt uns aber nichts, weil wir immer noch Techniken der Kompensation anwenden müssen, wollen wir nicht eine Randspalt oder eine Infraktur der gefüllten Zähne setzen. Dann kostet nicht nur das Material ein Vielfaches, auch der Zeitaufwand beträgt ein Vielfaches. Und das alles bei eingefrorenem Honorar. Auch aktuelle Symposien, wissenschaftliche Tagungen und Kongresse geben kein anderes Bild: wie eh´ und je muss die Schichttechnik angewandt werden, Bonding ist obligat und die Preise sind Mondpreise. Und wenn der Zahnarzt versucht, dieser Falle aus dem Weg zu gehen? Nun, da hat der Gesetzgeber ja mit der Gewährleistungsforderung dafür gesorgt, dass das nicht möglich ist. Zwei Jahre, da muss man einfach einen Mindeststandard einhalten, und die Gestehungskosten sind damit wesentlich höher als bei der guten alten Amalgamfüllung. Dass da kein falscher Eindruck entsteht: Komposite haben die Zahnheilkunde entscheidend vorangebracht, denken wir nur an die minimal invasiven Techniken, an die gute Ästhetik, usw. Nur, diesen Fortschritt haben die Zahnärzte teuer bezahlt, mit Honorarverzicht! Denn, anderswo kostet Komposit eben 2- bis 4-mal so viel wie Amalgam, und das überaus gerechtfertigt. So, wie die Sache steht, sind die Zahnärzte buchstäblich die Dummen: wer den falschen Versprechungen der Hersteller und der „Fach“Medien glaubt, zahlt die Zeche.

Was Falschaussagen bewirken und wie lange sie sich halten können, haben wir anderswo auch erlebt: Jahrzehnte hat die Tabakindustrie behauptet, Rauchen sei nicht gesundheitsschädlich, und das wider besseren Wissens. Es was eine glatte Lüge. Und die Medien? Die haben weggeschaut, lange, zu lange jedenfalls. Erst neuerdings lassen sich die Medien auf eine Kritik an der Tabakindustrie ein – weil sie wegen des Verbots sowieso keine Werbung mehr kriegen.

Anderes Beispiel Margarine. Da wurde jahrzehntelang behauptet, Margarine sei gesünder als Butter. Als die American Heart Desease Organisation als Ergebnis eines 20-Jahre Follow-Ups feststellte, dass Butteresser durchschnittlich länger leben als Margarine-Fans, hat es eine deutsche Fachzeitung gewagt, dies zu veröffentlichen. Da hat die Industrie massiv interveniert – auch der Autor, damals in Diensten des Verlags, in dem auch die andere Publikation erschien, musste eine Unterwerfungserklärung unterzeichnen, dies zukünftig nie zu behaupten. Die Verlagsleitung sah sich zu dem Schritt veranlasst, weil man gedroht hatte, die Anzeigenetats entsprechend zu überarbeiten. Presse- und Meinungsfreiheit? Lachhaft, auch hier regiert Geld die Welt. Heute schlagen sie eben mit Abmahnungen zu, damit macht man Jeden rasch mundtot, wer kann es sich leisten, mal eben 5.000 € zu zahlen, einfach auf eine Abmahnschreiben hin? Wenn man dummerweise meint, man könnte vor Gericht Recht bekommen, kostet es dann noch mehr. Da ist es allemal besser, eben nichts zu sagen und mit den Wölfen zu heulen, sprich, die Geschenke der Industrie auch anzunehmen. Eigene Meinung hat doch heute sowieso keiner mehr.

Jetzt zur Frage wann wir denn endlich das Versprechen eingelöst bekommen, das man uns seit Jahrzehnten bezüglich Füllungsmaterial gibt. Nun, da kann man auch nur sagen, lass´ alle Hoffung fahren, das kommt sowieso nie. Und alle Anstrengungen der Industrie gipfeln letztendlich ja doch nur darin, dass alles noch mal erheblich teurer wird.

Also; werfen wir die Vertreter, die uns beschwatzen wollen, raus, die stehlen uns nur unsere Zeit. Und sehen wir zu, bei „No-Name“ Herstellern einzukaufen, da wird’s wenigstens ein bisschen preiswerter, von billiger kann man da auch nicht reden. Ist doch sowieso praktisch alles die gleiche Suppe, wenn wir mal ehrlich sind. Und lassen die großen „Sensationsmessen“ weg, kostet zu viel und bringt nichts, weil das dort gezeigte meistens gar nicht lieferbar ist, auch nicht nach Jahren. Da geh´ ich doch lieber auf eine Fachdental, was ich dort sehe, kann ich bestellen und bekomme es auch geliefert. Oder ich bestelle gleich beim Versandhandel oder beim Direktvertrieb. Oder, noch besser, ich nutze meine Urlaubsfahrt dazu, im Ausland deutlich preiswerter einzukaufen, und die schicken mir ihr Zeug auch zu mir nach Hause. Was man da einsparen kann, finanziert den Urlaub, der kostet dann gar nichts mehr. Zeigen wir den Bossen die rote Karte – das große Geldverdienen? Nicht mehr mit uns!

 

 

 

 

Neue Regierung, neues Glück?

 
Immerhin: personell ist die Regierung gar nicht so schlecht aufgestellt. Bisher war´s ja üblich, nur ja niemandem einen Ministerposten zu geben, der was von der Sache verstanden hätte. Da wurde die Sonderschullehrerin zuständig für Gesundheit, der Taxifahrer war Außenminister, usw. Blüm brüstete sich noch damit (erinnern Sie sich dran?), wenn alle bei „Reformen“ unzufrieden wären, dann wär´s gut gelungen. Traut sich heute keiner mehr zu sagen, ebensowenig vom „Ärztepack“ zu schwafeln, wie´s der Realschüler Seehofer gemacht hat. Erstmalig in der Geschichte dieser Republik haben sie jetzt tatsächlich einen Arzt (!) mit der Leitung des Gesundheitsministeriums betraut, den Dr. med Rösler. Dieser sei Vietnamese hört man – gut so, denn in Berlin zum Beispiel studieren zwei Drittel der Vietnam-stämmigen Kinder, während das bei den Deutschen mal eben ein Drittel ins Gymnasium geht. Scheinen strebsam und klug, die Immigranten aus Fernost. Nebenbei: die aus dem nahen Osten sind noch bildungsferner als die Deutschen – hat sich Sarrazin schon arg geärgert drüber.
Jedenfalls, jetzt haben wir einen Kollegen als Minister – ob der es besser machen wird als seine unkundigen Vorgänger? Leicht wird’s nicht werden. Die „öffentliche Meinung“ ist ja total gegen Ärzte eingestellt, und jetzt können sie volle Breitseiten abgeben, nachdem keine Linken mehr in der Regierung sitzen, außer vielleicht der Seilschaft der Kanzlerin aus dem Osten. Und der Start ist denkbar schlecht: gleich in die Misere mit der Schweinegrippe, vor der sich die Leute vermutlich wieder mal umsonst fürchten, wie schon bei der Vogelgrippe. Nur, dass jetzt besondere Risiken vom Impstoff ausgehen, der ist vollkommen unerprobt, da haben sich die Regierenden samt Beamtenschaft gleich anders bedient, die kriegen nämlich einen anderen Impstoff. Na ja, war ja schon bei Lenin so, dass die Führer besser gestellt waren als das gemeine Volk. Kann auch wirklich nicht angehen, dass Kreti und Pleti in den Genuss von sicheren Medikamenten kommen, das ist ja nicht nur beim Impfstoff so, wo kämen wir denn da hin, wenn es keine Unterschiede gäbe. Und weil wir nun einen großen Feldversuch starten, darf die Pharmaindustrie auch gleich so richtig hinlangen – Leute, kauft GSK-Aktien, denn da werden die Gewinne nur so sprudeln, schließlich ist der Hersteller auch noch von der Haftung freigestellt. Aber, auch das ist uns ja nicht neu – die Haftungsrisiken beim Einsatz von Kunststoff für Zahnfüllungen liegen ja auch einseitig beim Zahnarzt, das kümmert die Industrie wenig, wenn´s schief geht. Die zwei-jährige Gewährleistung hat der Zahnarzt alleine zu schultern, samt den gewaltigen Mehrkosten gegenüber Amalgam, für das noch die Hersteller die Haftung trugen.
Man darf Herrn Rössler viel Glück wünschen, das kann er brauchen, auch wenn´s am rechten Glauben fehlt bei uns – wenn die Arbeitslosigkeit steigt, steigen die Sozialkosten überproportional, und dann muss wieder mal gespart werden, da sind alle Versprechungen nur noch Makulatur, auch wenn – man mag´s ja gar nicht glauben – ein Fachmann das Finanzministerium übernimmt. Der bisherige Innenminister Schäuble ist nämlich gelernter Steuerjurist (!), bloß, ob der sich besser durchsetzen kann als seine Fachkollegen Merz und Kirchhoff, die man kurzerhand in die Wüste geschickt hat, ist ungewiss. Die erste Untat haben sie ja schon losgelassen: ohne jede Not wurde das Kindergeld sowie das Betreuungsgeld (eine Prämie dafür, dass man die Kinder von Bildung fernhält) erhöht. Dafür werden sie dann die Studiengebühren vermutlich erhöhen, und noch weniger Geld in die Bildungseinrichtungen stecken. Kann man ja leicht, weil durch das Betreuungsgeld demnächst weniger zur Uni streben werden. Wie man da die Standards der OECD erreichen will wissen wohl auch nur die Politiker. Wird halt wieder Politik für Randgruppen gemacht: die Leute mit Kindern (obgleich in der Minderheit), die Migranten, die ihre Kinder nicht in unsere Schulen schicken wollen, weil das der Religion zuwider wäre, und in sonstige Projekte, bei denen letztendlich wenig greifbares rauskommt außer dem Beifall der linken Journaille.
Ist doch abzusehen, dass die Arzthonorare wieder abgesenkt werden, ohne dass das gleich erkennbar würde. Die sind ja inzwischen recht findig im Verschleiern. Wer z.B. hätte schon nachgerechnet, ob sich der PKW als „Geschäftswagen“ steuerlich tatsächlich lohnt? Im Klartext: da gibt man die Unterlagen dem Steuerberater, und der bucht das. Für´s Finanzamt eine gute Sache – durch die „1%-Regelung“ steigt der Gewinn um jährlich 12 Prozent des Listenpreises (!), da freut sich der Steuerpflichtige, hat ja gut verdient, so scheint es, und der Steuerberater freut sich, weil sich sein Honorar ja nach dem Gewinn richtet. Nur der arme Unwissende, der sein Auto mit Rabatt gekauft hat (wer bitte zahlt denn den Lostenpreis?!), merkt gar nicht, dass er dadurch mehr Steuern zahlt als hätte er kein Auto angegeben hätte. Oder überhaupt die Steuersätze – da wird ein Höchstsatz angegeben, den es gar nicht gibt, weil ja noch der „Soli“ draufgeschlagen wird. Ergo ist der wahre Steuersatz schon mal um 10 Prozent höher als offiziell angegeben. Gilt auch für die Verschuldung – da werden bei Sozialkassen und vormaligen Staatsbetrieben (Post, Bahn) Staatsschulden ausgelagert, womit man die Bilanzen schönt. Täte das ein Unternehmen war´s strafbar, die Politik aber, natürlich, darf´s. Und die Justiz spielt mit: wenn die Sozialkasse die fällige Miete nicht zahlt ist das kein Kündigungsgrund. so die Richter – da ist der Vermieter aber dumm dran. Um sein geld einigermaßen sicher zu haben wollten viele die Miete direkt vom Sozialamt – jetzt sind die Bedürftigen anscheinend die besseren Schuldner, weil die Ämter einfach kein Geld rausrücken. Und bei denen ist eh´ nichts zu holen – die bauen Schulden damit auf, die es offiziell gar nicht gibt. Auch eine Methode.
Aber; vielleicht sehen wir das ja alles nur viel zu schwarz – kann ja sein, dass die Gewerksachten sich plötzlich in Bescheidenheit üben, die ungezügelte Vermehrung in den „Entwicklungsländern“ plötzlich zum Stillstand kommt, neue unerschöpfliche und umweltverträgliche Energiequellen entdeckt werden, Inder und Chinesen den Verzicht entdecken und westliche Lebbensart nicht mehr anstreben oder die Politiker auf einmal die Ehrlichkeit entdecken -, man soll ja nie aufgeben, und die Hoffnung stirbt zuletzt...

Emotio contra ratio -
die unendliche Geschichte

Die meisten Entscheidungen trifft der Mensch unterbewusst, aus der Emotion heraus, und nicht nach reiflicher Überlegung, also rational. Dabei wird dieses Verhalten gerne „rationalisiert“, d.h., man sucht hinterher rationale Gründe für das emotionale Verhalten, man will sich eben nicht eingestehen, dass man emotional entschieden hat. Dies trifft auch und insbesondere für ärztliche Entscheidungen zu, viel mehr, als man glaubt. Dazu gibt es statistisches Material in Fülle, und deshalb wurden auch die Prinzipien der !“EBM“, Evidence Based Medicine“ entwickelt. Ärzte und Zahnärzte sollen sich in ihren Entscheidungen nicht auf „Erfahrung“ (ein anderes Wort für Gefühl, wenn man ehrlich ist) sondern auf möglichst objektive wissenschaftliche Erkenntnisse stützen. Das ist gar nicht so einfach – wer will und kann tatsächlich all das, was an Wissenschaft, ausgedrückt durch Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Studien, produziert wird, permanent in sich aufnehmen und vor allem auch in die tägliche Routine einbeziehen? Es braucht zur Vereinfachung „Transformatoren“, die Wissenschaft kurz und knapp in Handlungsanweisungen übersetzen – dies wäre die originäre Aufgabe der Fachmedien sowie der Fortbildungskurse. Untersucht man jedoch die Medien genauer muss man feststellen, dass genau dies nicht bzw. ungenügend angeboten wird. Man findet zwar ausgewählte Publikationen aus der Wissenschaft, eine Zuordnung findet jedoch kaum statt. So kann der Leser nur schwer beurteilen, wie sich die Erkenntnisse auf seine Arbeit auswirken sollten. Überdies hat die werbende Wirtschaft einen sehr großen Einfluss auf die Inhalte – kritische Stimmen werden generell unterdrückt. Dies ist in anderen Ländern anders geregelt – Beispiel USA. Da wäre es heute unvorstellbar dass z.B. eine Studie zu einem Material einfach so publiziert wird, ohne dass ein Board von Wissenschaftlern diese auf Korrektheit geprüft hätte, und eine begleitende Werbung wäre definitiv ausgeschlossen – ganz das Gegenteil zu den Verhältnissen in Deutschland. Dabei wäre eine korrektere Vorgehensweise für keinen der Beteiligten von Nachteil, denn letztendlich setzt sich immer das bessere durch. Es hat nur einen Beigeschmack von Manipulation, wenn Studien mit Fallzahlen von kaum über 10 mit sehr positivem Ergebnis veröffentlicht werden und auf der gleichen Seite oder zumindest im der gleichen Ausgabe eine bezahlte Werbung des Unternehmens, dessen Produkt da untersucht wurde, steht. Es gibt auch zu denken, wenn man vergleichende Studien zu mehreren Produkten liest und feststellen muss, dass da stets ein anderes Produkt am besten abschneidet. Zum Grübeln sollte es einen auch bringen, wenn im kleinen Kreis von Wissenschaftlern die Allergenität von Kunststoffen mindestens gleich hoch wie die von Amalgam beurteilt wird, man dazu aber nie etwas in den Fachmedien lesen kann – ebenso macht es Kopfschmerzen, wenn bestimmte Studien nur noch im Ausland veröffentlicht werden (z,B. zur Plaqueaffinität von Kompositen), hierzulande jedoch nicht.
Neutrale Redaktion sähe anders aus. Wenn nun diese möglicherweise produktlastigen Studien zur Grundlage von Entscheidungen gemacht werden ist das schädlich für die Therapie – im Bereich Allgemeinmedizin wird dies öffentlich ausgiebig diskutiert, in der Zahnheilkunde nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit (und da sind die Praktiker ebenfalls als Öffentlichkeit anzusehen). So werden Techniken und Materialien in den Markt gedrückt, die bei nüchterner Betrachtungsweise und unter Kenntnis aller Fakten kaum gekauft würden. Verschärft wird die Situation durch Bezüge zur emotionalen Ebene: da wird an alte Erfahrungen angeknüpft (z.B. stopfbares Komposit in Anlehnung an Amalgam, wobei die „Bulk“-Füllung zumindest von seriösen Wissenschaftlern strikt abgelehnt wird, da werden „Bio“-Legierungen angeboten, deren „Bio“-Eigenschaften mit sehr dubiosen Messmethoden belegt werden, und so weiter). Insbesondere die „Einfachheit“ der Anwendung wird gerne und ausgiebig dargelegt, wobei bei genauerem Hinsehen eher das Gegenteil der Fall ist. Der Gipfel ist das Versprechen eines schrumpfungsfreien Kompositmaterials, mit dem seit Jahrzehnten ebenso beharrlich wie falsch geworben wird. Alles, was derzeit erhältlich ist, schrumpft. Außer Amalgam. Schmalz, Regensburg, bezeichnete anläßlich der IADR-Tagung in München Amalgam als „das beste Füllungsmaterial“, die DGZ veröffentlichte einen Freispruch für dieses Material „wegen erwiesener Unschuld“ - das kann man jetzt zulassen, weil eine Renaissance des Amalgams ausgeschlossen werden kann. Wiederr mal: Ratio zählt nicht, die Emotion hat gewonnen.
Es ist auch bedenklich, wenn Werbung für zahnärztliche Materialien mit nackten Frauenbildern daherkommt. Es ist doch offensichtlich, dass hier nicht die Ration sondern die Emotio angesprochen werden soll – wie ees Werbestrategen schon immer postulierten: „Sex sells“. Autos oder Reifen („Pirelli“) haben ja auch überhaupt nichts mit halbnackten frauenkörpern zu tun, trotzdem wird damit geworben.
A props Auto: das Eöektroaito gilt inzwsichen ja auch als der Weisheit letzrter Schluss. Aber: nur, weil dabei der Dreck nicht direkt aus dem Auspuff kommt, heißt das doch noch lange nicht, dass das umweltfreundlich wäre. Da müsste man schon Überlegungen zur ökologischen Gesamtbilanz anstellen. Und die sieht dann so aus: wegen des steigenden Strombedarfs schon heute (also noch ohne Elektroautos) will man in Deutschland neue Stromkraftwerke bauen, für die als Primärenergei Braunkohle eingesetzt werden soll. Die EU will das verhindern wegen Umweltbedenken – denn: bei der Verstromung von Primärenergei wird der Dreck eben nicht verhindert, sondern nur an anderer Stelle in die Luft geblasen. Interessiert aber keinen – weil: die Emotion („saubere Autos“) wieder mal über den Verstand siegt.
Wie überall im Leben gilt also auch hier: Wissen ist die Basis guter Entscheidungen, und Wissen muss man sich mühsam und langwierig aneignen. Das kriegt man ncith geschenkt, schon gar nicht dadurch, dass man die Lerninhalte in den Schulen einfach herabsetzt und Jedem dann ein Abschlusszeugnis in die Hand drückt. „Gerechter“ wird’s dadurch jedenfalls nicht, lediglich das geistige Niveau sinkt. Wieder mal nur emotional, nicht rational gehandelt.
Nun kann selbst bei bestem Willen keine Ausbildung jemanden so mit Wissen ausstatten dass es ein Leben lang reichen würde. Dies gilt insbesondere für den (zahn)ärztlichen Berufsstand. Als Arzt oder Zahnarzt muss ich lebenslang weiter lernen – die rasche Wissensvermehrung, die Forschung und Entwicklung, fordert das.
Deshalb ist die seriöse Fortbildung so eminent wichtig, wobei es dringend zu empfehlen ist, die wichtigen wissenschaftlichen Tagungen regelmäßig in das eigene Fortbildungsprogramm einzubeziehen. Daneben sidn „Hand-on“-Kurse sinnvoll, in denen Praktiker ihre Fähigkeiten und Tipps weitergeben können – der gesunde Mix macht´s letztlich, was zu Qualität führt.
Unter diesen Gesichtspunkten suchen wir beim Deutschen Dental Kolleg unsere Themen und Referenten zusammen – der Zahnarzt in der Praxis oll so objektiv wie irgend möglich informiert werden. In diesem Zusammenhang dringen wir auch darauf, regelmäßig die Tagungsberichte im Dental Observer abzurufen. Tagungsberichte sind aufwändig – deshalb iost es sinnvoll, solche Berichte in digitaler Form anzubieten. Dann kann jeder Zahnarzt sich nur das herunterladen und ausdrucken, was ihn speziell interessiert. Wir wissen ja alle, dass der Zuwachs an wissen bzw. die Zahl wissenschaftlicher Studien inzwischen so gewaltig ist, dass es keinen Sinn macht, alles in gedruckter Form zu verarbeiten, das würde jeglichen Rahmen sprengen.
 

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