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Komisch – Heilpraktiker stehen höher im Kurs als Ärzte…

Das passiert immer öfter: da berät der Zahnarzt einen Patienten, und dann meint der, er müsse erst mal seinen Heilpraktiker fragen. Und dann kommen „Anweisungen“, welche Materialien einzusetzen wären. Und überhaupt: eine „Fluor“-Zahnpaste geht ja schon gar nicht, weil das die „Energieflüsse“ stört und für homöopathische Therapien ganz schlecht sei. Weil, ein Heilpraktiker weiß das ja viel besser als der „Schulmediziner“, und ein Zahnarzt ist ja sowieso gar kein richtiger Arzt. Was verwundert es, dass es immer mehr Kollegen gibt, die mal rasch zwischendurch die lächerliche Prüfung ablegen und sich selbst als Heilpraktiker gerieren. Man muss sich das vor Augen,führen: da erwirbt ein akademisch gebildeter (Zahn)Arzt eine absolut minderwertige Qualifikation (Voraussetzung: Hauptschulabschluss und nicht vorbestraft, daneben ein paar Grundkenntnisse in Medizin) um sich gegenüber Patienten als kompetenter darstellen zu können.

Dabei kommt die „Schul“Medizin immer mehr unter die Räder. „Erfahrungsmedizin“ ist nachgefragt – aber, bitteschön, ist denn unsere „Schul“Medizin nicht gerade Erfahrungsmedizin? Immerhin basieren therapeutische Konzepte auf Studien mit Probanden, und nach der statistischen Auswertung der Ergebnisse werden dann Therapieempfehlungen ausgesprochen. Nur dass man halt hier die Erfahrungen objektiv anschaut und nicht subjektiv (wie bei den zahllosen „Alternativen“, als da sind Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie, usw.).

Dass Homöopathie Quatsch seien muss sollte eigentliche jedem denkenden Menschen klar sein – wie kann eine Verdünnung D 20, was bedeutet, ein Atom im Würmsee, überhaupt herstellbar sein? Wenn im reinsten überhaupt herstellbaren Wasser ab D7 bis D9 alle Elemente enthalten sind die auf der Erde vorkommen?

Und da sind wir beim Kernthema: denkender Mensch. Studien haben gezeigt, dass Menschen prinzipiell rein emotional entscheiden und anschließend ihre (ggflls. Fehl) Entscheidung rational begründen. Der Vater der modernen Psychologie, S, Freud, nannte das „rationalisieren“, d.h., Gründe für ein irrationales, emotional bestimmtes Handeln suchen. Kann also so weit nicht her sein mit „denkender Mensch“. Merkt man ganz besonders in Konfliktsituation (Bespiel Krieg), dassetzt der Verstand vollkommen aus.

Daneben wird kräftig am Status der „Bildung“ an sich gesägt. Mittlerweile gibt eine Inflation an „Studierenden“, die dann ein anspruchsvolles „Studium“ wie Feng Shui absolvieren und das tatsächlich mit einem „Diplom“ abschließen. Ich meine, was haben Löcher in Hochhäusern (da sollen die bösen Geister durchfliegen können) mit „Studium“ zu tun? Oder chinesische „Erfahrungsmedizin“: wie bitte soll zerstoßenes Nashorn-Horn (also Haar) die Potenz steigern können? Man kann die letzten noch in Freiheit lebenden Nashörner damit ausrotten, aber, die Potenz ganz bestimmt nicht damit steigern.

Was könnte Grund für eine solche besorgniserregende Entwicklung sein?

Lassen Sie uns mal ein bisschen philosophieren.

In einer Gesellschaft gibt es eine „Normalverteilung“ an Begabungen. Cá 10 Prozent sind überdurchschnittlich, 10 Prozent unterdurchschnittlich und die große Masse – 80 Prozent – sind „normal“. Dies gilt wohl für alle Begabungen, wobei das bezüglich „Intelligenz“ besonders gut untersucht worden ist. Das Normalmaß an Intelligenz ist 100, bei 120 ist man intelligenter, ab 80 dümmer als der Durchschnitt, dazwischen muss man Messungenauigkeiten einkalkulieren. Nun ist es sehr gut untersucht, dass Intelligenz und schulische Leistungen in außerordentlich hohem Maße korrelieren, will heißen, wer intelligenter ist hat bessere Noten. Das können und wollen die „dümmeren“ nicht auf sich sitzen lassen, wer mag schon dumm dastehen? Also hat man ganz gezielt den Wert der Schulnoten reduziert, weil, so die Doktrin, alle gleich sind und es keine „Dummen“ geben darf. Als Sowjets und Amerikaner auf einer Welttagung in den späten 80ern diskutierten, was man mit „Hochbegabten“ anfangen könne, bestanden die Deutschen (!) darauf, dass es so etwas gar nicht gäbe. Man hat den „Intelligenztest“ ganz bewusst entwertet – es gäbe ja viele Facetten von Intelligenz, „emotionale“ oder „soziale“ Intelligenz, so die intellektuell zu kurz gekommenen. Und dann hat man die „Legasthenie“ erfunden, dann neuerdings die „Zahlenschwäche“, kurz, eigentlich muss man nichts mehr können, weil man ist ja intelligent und hat bloß eine Schwäche. Damit das dann nicht die schulischen Leistungen beeinflusst, hat man den Wert der Leistungskontrollen (Noten) massiv reduziert bis hin zur Forderung, die Noten ganz abzuschaffen.

Jetzt haben wir die Situation, dass die „Hauptschule – eigentlich gedacht für die 80 Prozent der „Durchschnittlichen“ – ein Auslaufmodell ist, das Gymnasium ist die Regel. Damit hat das Gymnasium seine Funktion als vorgeschaltetes Auswahlinstitut vor dem Studium verloren. Die „Hochschulreife“ erhält aktuell jeder bescheinigt, und folgerichtig wurde der Zugang zum Studium auch nicht mehr vom „Abitur“ abhängig, da kann jetzt so ziemlich jeder hin. Die Professoren können sich mit Analphabeten herumschlagen.

Da aber das „Studium“ nicht mehr als elitär wahrgenommen wird (und auch wahrgenommen werden kann!) sind akademische Abschlüsse inflationär abgewertet. Und hier kommen wir zum Punkt: wenn ein Hochschulabsolvent so offensichtlich „durchschnittlich“ ist, nimmt natürlich auch die Achtung ab. Gleichzeitig wünscht sich der Durchschnittsbürger jedoch Personen, zu denen man aufschauen kann. Also werden Fußballstars, Sänger/Künstler, usw., wie Heilige verehrt. Und da man (Zahn)Ärzte aus o.a. Gründen kaum mehr verehren kann, findet man im Heilpraktiker den „Heilsbringer“, der übernatürliche Kräfte (!) hat und damit dem Kranken hilft.

Das gab es ja schon mal in der Geschichte: die Hochkultur Roms mit den hervorragenden Ingenieurs- und Medizinwissenschaften wurde zerstört und man begann an Hexen und Zauberer zu glauben. Das Mittelalter hat ganz schön lange gedauert – aber, wie auf einem Kongress für „alternative Medizin“ ein Vorsitzender (!) sich äußerte, „…die Aufklärung haben wir nun lange genug ausgehalten, jetzt wenden wir uns der richtigen Wissenschaft zu, der Alchemie…“

Das ist halt der Trend!

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