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Interview mit Zahnarzt Dr. Jos. Gal, Ubstadt-Weiher

Wie hat Motion5 meinen Praxisalltag verändert?“

 

Einleitungstext basierend auf den Antworten von Dr. Gal auf die allgemeinen Fragen

Allgemeine Fragen:

  • Anzahl Zahnärzte

  • Anzahl Mitarbeiter

  • Gründungsjahr

  • Praxiskonzeption

  • Welche Schwerpunkte hat die Praxis?

  • Was macht den Erfolg der Praxis aus?

  • Philosophie der Praxis

 

 

DI / ZP:

Outsourcing ist ein neues Thema gerade in der Zahnarztbranche. Neben der Auslagerung von offenen Forderungen an Factoringgesellschaften gibt es noch weitere Dienstleistungen, die nicht unbedingt in der Praxis durchgeführt werden müssen. Wie sieht das konkret in Ihrer Praxis aus?

 

Dr. Jos. Gal:

Wir haben uns in unserer Praxis entschieden, den Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten. Aus diesem Grund lassen wir auch unsere gesamte Abrechnung von einem externen Dienstleister erbringen. Von uns werden die erbrachten Leistungen wie gewohnt in der EDV erfasst und dokumentiert. Alles weitere wird online erledigt, ohne dass sich Praxismitarbeiter noch darum kümmern müssen. Sie können sich intensiv um unsere Patienten kümmern.

 

DI / ZP:

Mit welchem Unternehmen arbeiten Sie hier zusammen? Und welche Einzelleistungen werden hier durchgeführt?

 

Dr. Jos. Gal:

Unser Dienstleister ist die Motion5 GmbH aus Pforzheim. Im Einzelnen erledigen deren Mitarbeiter alles, was früher eine reine Verwaltungshelferin in der Praxis erbringen musste: Vom Erstellen von Heil- und Kostenplänen über die Prüfung und Korrektur der Tagesprotokolle bis hin zur Erstellung von Privatliquidationen und Eigenanteilsrechnungen. Auch der Bereich der Korrespondenz mit Privaten Krankenversicherungen wird durch Motion5 hervorragend abgedeckt. Dies erspart uns eine Menge Arbeit, Zeit und Ärger.

 

DI / ZP:

Wie sieht der technische Ablauf aus?

 

Dr. Jos. Gal:

Die Mitarbeiter der Motion5 GmbH wählen sich mittels eines VPN Tunnels in unseren Server ein. Dies ist eine absolut sichere Datenleitung, die es ermöglicht in unserem EDV System so zu arbeiten, als wäre die Mitarbeiterin bei uns in der Praxis. Die bearbeiteten Daten verlassen auf diese Weise unser System / unsere Praxis nicht. Auch das Ausdrucken von Dokumenten wie z.B. Heil- und Kostenpläne kann von Motion5 direkt an unseren Drucker angesteuert werden. Im optimalsten Fall händigen wir sogar den HKP dem Patienten persönlich aus.

 

 

DI / ZP:

Zu unserer Hauptfrage „Wie hat Motion5 meinen Praxisalltag verändert?“ Erläutern Sie uns dieses bitte hinsichtlich der veränderten Abläufe in der Praxis.

 

Dr. Jos. Gal:

Früher hatten wir eine Mitarbeiterin in der Verwaltung, die alle diese Tätigkeiten erledigen musste. Durch die Hektik im Praxisalltag, Patientengespräche, eingehende Telefonate etc. war die Konzentration auf die Abrechnung nicht immer optimal gewährleistet. Dadurch kam es immer wieder zu fehlerhaften Plänen, Rechnungen etc. und vor allem auch zu Zeitverzögerungen. Die Mitarbeiterinnen der Motion5 können sich voll und ganz auf die Abrechnungstätigkeiten konzentrieren, ohne die Unruhe des täglichen Betriebes in der Praxis. Damit ist die Fehlerrate gegen Null zurück gegangen. Darüber hinaus werden wir zuverlässig betreut und müssen uns um die Personalangelegenheiten wie Urlaubs- oder krankheitsbedingte Ausfälle keine Gedanken mehr machen.

Heute arbeitet eine Mitarbeiterin an der Rezeption, deren wesentliche Aufgabe in der umfassenden Betreuung der Patienten, der Terminvergabe und Telefonbetreuung besteht.

 

DI / ZP:

Welche Vorteile haben Sie davon?

 

Dr. Jos. Gal:

Die Vorteile lassen sich kurz mit Zeit- und Kostenersparnis zusammenfassen. Meine Kollegen und ich müssen keine aufwendigen Kontrollen der Tagesprotokolle und Rechnungen mehr durchführen. Die Kosten der Motion5 Dienstleistungen liegen in unserer Praxis eher noch unter den Personalkosten für eine gute ZMV und Ausfälle durch Urlaub oder Krankheit gibt es für uns wie gesagt auch nicht mehr.

Da die Leistung der Motion5 sich prozentual an dem durch das Unternehmen abgerechneten Honorarvolumen exklusive Material- und Laborkosten orientiert, zahlen wir beispielsweise während der Urlaubszeit mit geringerem Patientenaufkommen auch weniger. Personalkosten sind dagegen immer gleich hoch, egal wie viele Patienten die Praxis besuchen.

 

DI / ZP:

Gibt es auch Vorteile für Ihre Patienten?

 

Dr. Jos. Gal:

Selbstverständlich! Durch den Wegfall der Belastung mit Praxisverwaltung und Abrechnungstätigkeiten kann sich unsere Rezeptionskraft voll auf die Patienten konzentrieren. Gerade im Bereich der Kommunikation mit den Patienten und der Beratung zu Zahnersatz oder Implantatversorgungen ist eine wesentlich intensivere Betreuung möglich – und unsere Patienten schätzen das sehr.

 

DI / ZP:

Eine abschließende Frage: Wie sehen Sie Ihre Praxis und die Zahnmedizin in Deutschland in fünf Jahren?

 

Dr. Jos. Gal:

Nun, die Entwicklung in der Zahnmedizin ist von einigen Tendenzen gekennzeichnet. So gibt es den Allroundzahnarzt wie in früheren Jahren eigentlich nicht mehr. Spezialisierung auf bestimmte Behandlungen ist für exzellentes Arbeiten – so wie wir das für unsere Praxis verstehen – unabdingbar. Wir haben dieser Entwicklung schon Rechnung getragen und arbeiten hier mit Spezialisten für Implantologie, Zahnersatz, Kinderzahnheilkunde und Parodontologie. Diese Art der Arbeitsteilung wird sich künftig noch stärker durchsetzen.

Analog der Spezialisierung in den Teilbereichen der Zahnmedizin werden auch die Abläufe in der Praxis und ihrer Organisation immer komplexer. Der Patient muss als Kunde behandelt werden -Beratung und Kommunikation nehmen immer mehr Raum ein. Hierfür ausgezeichnet geschultes Personal ist daher unabdingbar. Die immer komplexer werdenden Verwaltungstätigkeiten und Abrechnungen erfordern ebenfalls Spezialisten. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir mit unserem Modell und Motion5 zukunftsweisend arbeiten. Outsourcing von Abrechnung, Abtretung von Forderungen an Factoring Unternehmen sowie QM Beratung durch Spezialisten werden bald so selbstverständlich sein wie die Erstellung der Steuererklärung durch einen Steuerberater.

 

DI / ZP:

Herr Dr. Gal, vielen Dank für das Gespräch!


Ein neuer Zahnärzteverband macht von sich reden. Die Freie Zahnärzteschaft (FZ) steht im konstruktiven Dialog mit der Politik, übt aber durchaus Kritik an den Zwangskörperschaften im Gesundheitsbereich. Wo steht diese Gruppierung und was will sie erreichen? Wir sprachen mit dem Präsidenten ZA Peter Eichinger, Passau und seinen beiden Vizepräsidenten Dr. Peter Klotz, Germering und ZA Roman Bernreiter, MSc, Zwiesel.

Dental Observer: Herr Eichinger, Sie sind Präsident der Freien Zahnärzteschaft. Der Name klingt wie „Freie Ärzteschaft“. Lehnen Sie sich an diesen Verband an?

Eichinger: Diese schlagkräftige Organisation, die in den letzten Jahren den Ärzteprotest maßgeblich gestaltet hat, war eine Art Vorbild für uns. In einer Zeit der zunehmenden Strangulierung der Freiberuflichkeit durch die Politik brauchen Zahnärzte wie Ärzte einen entschlossenen und körperschaftsfernen kämpferischen Verband, der regionale Initiativen bündelt und nach außen vertritt. Wir brauchen ein Korrektiv gegen die althergebrachten „Wahlvereine“ in der standespolitischen Landschaft.

Dental Observer: Das heißt, Sie werden nicht für Körperschaftsämter kandidieren?

Bernreiter: Der Versuch, über dem „Weg durch die Körperschaften“ ein Gesundheitssystem zu erreichen, das fachlichen wie auch betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten gleichermaßen Rechnung trägt, ist gescheitert. Nur Transparenz im Gesundheitswesen durch Direktabrechnung zwischen Zahnarzt und Patient mit nachgeschalteten Kostenerstattungssystemen kann die betriebswirtschaftliche Situation der Zahnärzte verbessern. Das Wort „Kostenerstattung“ ist aus dem Vokabular der etablierten Verbände, die sich vor allem über die Ämter in den KVen und KZVen definieren verschwunden, deshalb unser Auftreten. Insbesondere die hauptamtlich geführten Körperschaften, also KVen und KZVen, sind letztlich Handlanger der Staatsaufsicht und dienen immer mehr der Disziplinierung der Kollegen. Man denke nur an Wirtschaftlichkeitsprüfung, Budgetzwänge und Fortbildungskontrollen. In diesem Spiel werden wir nicht mitspielen und uns zu Mittätern machen.

Dental Observer: Wie wollen Sie dann die Situation ändern? Wie sehen Sie das Gesundheitswesen in Deutschland in der Zukunft, Herr Eichinger?

Eichinger: Falls die Politik nicht, wie aktuell diskutiert, KVen und KZVen abschafft, wäre nach wie vor ein kollektiver Ausstieg aus dem System der geradlinigste Weg. Während andere reden, haben z.B. die Urologen in Niederbayern gehandelt: Über 80% aller niederbayerischen Urologen haben am 11.03.2009 ihren Verzicht auf die Kassenzulassung unterschrieben! Damit ist Niederbayern der erste Regierungsbezirk, der beim bayernweiten Korbmodell der Urologen das selbst gesetzte Quorum von 70% übertroffen hat.

Ob dies aktuell auch bei den Zahnärzten möglich ist, wird sich zeigen. 1993 und 2004 sind jedenfalls Korbaktionen misslungen. Ein Weg zur Überwindung des GKV-Systems mit seinen Gängelungen durch Kassenzahnärztliche Vereinigungen ist fraglos individuell in der eigenen Praxis durch ein umfassendes Angebot von außervertraglichen Leistungen möglich. Dazu muss man die Zahnärzteschaft aufrütteln und in die Lage versetzen.

Im gesamtpolitischen Rahmen fordern wir „Subsidiarität vor Solidarität“ zum Beispiel durch die Privatisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Solidarisch abgesichert werden sollte nur die unverzichtbar notwendige Grundversorgung. Die Absicherung und Finanzierung aller anderen Risiken, kann frei über Zusatzversicherungen erfolgen. Behandlungsmaßnahmen die über die Grundversorgung hinausgehen müssen zwischen dem Zahnarzt und dem Patienten unbürokratisch frei vereinbar sein.

Dental Observer: Das hört sich ja ähnlich an wie die kürzlich veröffentlichten FDP-Positionen.

Bernreiter: Das ist richtig. Die Bundestagsfraktion der FDP hat gefordert, das Sozialgesetzbuch V (Krankenversicherung) komplett neu zu fassen. Die Ziele der FDP dabei sind genau wie unsere die Eindämmung des Staatseinflusses und ein Systemwechsel im Gesundheitswesen. Aber auch andere Parteien wie z.B. die Freien Wähler (FW) in Bayern haben erkannt, dass das jetzige GKV-System gescheitert ist.

Dental Observer: Herr Klotz, Sie sind Experte für Gebührenrecht. Ist die „Bematisierung der GOZ“ durch den Rückzug der Bundesregierung gestoppt?

Klotz: Wir betrachten das mit Skepsis. Die Begründung, der Protest aus der Zahnärzteschaft sei zu stark, lässt darauf schließen, dass eine neue Bundesregierung der gleichen Couleur im Herbst erneut auf den fachlich verfehlten und finanziell unzureichenden Entwurf zurückgreifen wird. Die Regierung wäre gut beraten, sich endlich mit der Zahnärzteschaft zusammenzusetzen und über die von zahnärztlichen Experten aufgestellte Honorarordnung HOZ zu diskutieren.

Übrigens haben wir auch unseren Teil zur GOZ-Ablehnung beigetragen. Auf Anfrage des bayerischen Gesundheitsministeriums haben wir im Referentenentwurf viele fachliche Fehler nachgewiesen und unser entschiedenes Nein detailliert begründet. Ich denke, das wurde in Berlin mit eingebracht und hat zusammen mit der Generalablehnung des Entwurfs das Bundesgesundheitsministerium BMG zum Zurückziehen des Referentenentwurfs für eine neue GOZ bewegt.

Dental Observer: Wie sehen Sie die Zahnärzteschaft der Zukunft? Wird es einen Zwang zur Spezialisierung geben?

Klotz: Die geplante Änderung der Approbationsordnung muss eine Ausbildung zum vollwertigen ZahnMediziner zum Ziel haben. Wir lehnen das Konzept der modularen Fort- und Weiterbildung in der von der Bundeszahnärztekammer vorgelegten Form ab. Der Zahnarzt ist Spezialist, der Spezialist für Zahnheilkunde. Eine weitergehende Untergliederung des Berufes in Fachgruppen schadet Patienten und Zahnärzten gleichermaßen. Patienten wissen nicht mehr, wer für ihr Zahnproblem zuständig ist und der Berufsstand wird zersplittert. Man sieht diese Entwicklung schon seit langem bei den Ärzten: durch Begehrlichkeiten der „Spezialisten“ nach besserer Honorierung und Einschränkung des Behandlungsspektrums der Generalisten kommt es zu Grabenkämpfen, die keiner gewinnen kann.

Dental Observer: Herr Eichinger, wie soll sich Ihr Verband weiterentwickeln?

Eichinger: Wir setzen auf organisches Wachstum, nachdem sich andere Verbände am Ziel der „Volkspartei“ deutlich überhoben haben. So haben wir begonnen, mit zahnärztlichen Initiativen in ganz Bayern Gespräche zu führen. Die Freie Zahnärzteschaft möchte die Öffentlichkeitsarbeit der regionalen Vereine besser vernetzen und für die Idee der Schaffung eines bayerischen Dachverbandes werben. Wir wollen die bayerische Zahnärztegenossenschaft ABZ fördern und ausbauen. Hier läuft eine gemeinsame Initiative zum Thema Kostenerstattung. Missstände in den Körperschaften werden wir weiterhin schonungslos offen legen und uns nicht für Ämter verbiegen. Solidarität unter den Zahnärzten herzustellen ist schwierig, aber gegen eine verfehlte Sozialpolitik müssen wir gemeinsam angehen. Die freie Zahnärzteschaft will hier die Speerspitze sein.

Vielen Dank für das Gespräch.
#Freie Zahnaerzteschaft-Vorstand#