GOZ 2012:
Da haben die Versicherer aber gute Lobbyarbeit geleistet…
Politiker sind nicht „neutral“, das war schon immer so. Als Politiker vertrete ich eine Weltanschauung, und das ist sowas wie eine Religion. Jeder weiß, dass religiöse Überzeugungen blind für das machen, was nebenan geschieht – denken wir an Irland, da haben sich Katholiken und Protestanten bis vor kurzem den Schädel eingeschlagen – und in Jugoslavien war´s auch primär ein Religionskrieg, der zum Genozid geführt hat. Und im nahen Osten passiert das auch jeden Tag – Christenverfolgung im Iran und Ägypten sind Beispiele für die Intoleranz.
Wenn man sich die Geschehnisse bei uns anschaut, dann haben wir auch Glaubenskriege; die werden halt nicht so sehr mit körperlicher Gewalt ausgetragen, aber, es gibt sie.
Das merkt man ganz besonders, wenn man an religiöse Tabuthemen rührt: wer „sozial“ oder „Kinderförderung“ in Zweifel zieht, der wird ganz schnell von den Glaubenskriegern niedergemacht. Da traut sich ja gar keiner mehr eine andere Meinung zu vertreten.
Also, Politiker sind nicht neutral. Verlangen wir ja auch gar nicht – nur die Richter, die sollten neutral sein, sind sie aber auch nicht, weil eben auch nur Menschen und damit voreingenommen, geprägt durch religiöse Empfindungen und Weltanschauung.
Nun haben wir im Zuge der medialen Angriffe auf den Präsidenten Wulff gelernt, dass Politiker auch sehr empfänglich sind für Geschenke, und sei es eben nur eine kostenlose Reise. Das geht quer durch alle Parteien, machen wir uns da bloß nichts vor. Und nun kommen wir in eine Ebene, wo es bedenklich wird. Wenn Politiker bestechlich werden, dann hat die Gesellschaft zu handeln. Bestechlichkeit hat viele Gesichter: uns interessiert hier nur, was die Bestechlichkeit anrichtet. Und da sollte man schon ganz genau hinsehen: wenn ein Politiker, der aus dem Amt fliegt, sofort einen Vorstandsposten erhält, dann wird man nachdenklich. Und wenn einer bei einer Sozialorganisation anheuert, dann ist das nicht „sozial“, sondern einfach dem Umstand zu danken, dass er/sie dort gutes Geld verdient. Kassenfunktionäre, beispielsweise, können von ihrem Ehrensold ganz gut leben. Fragt man sich, wieso diese Posten an diese Leute gehen – kann es sein, dass da Vorleistungen erbracht worden sind? Komisch, bei Politikern, die aus dem Amt ausgeschieden sind, fragt man nicht mehr nach, sollte man aber!
Und: man darf sich schon die Frage stellen; weshalb genau dann, wenn die Versicherungen Probleme haben, ihre Leistungszusagen einzuhalten, die (Zahn)Arzthonorare per Gesetz abgesenkt werden. Konkret: die Privatversicherer haben – nachdem sie die Sozialkassen als Wettbewerber eliminiert haben, auch kraft Gesetzesänderung – „Zusatztarife“ für alle gesetzlich Versicherten zu Kampfpreisen eingeführt. Ein Monatsbeitrag von 20 € – lächerlich, damit wird kein Kassen- zum Privatpatienten, so wie die Werbung das verspricht. Weil die Kunden aber die Leistungsversprechen einlösen wollten, sind die Anbieter heftig ins Schleudern geraten, die Tarife sind nie und nimmer kostendeckend. Die Beiträge hoppla-hopp erhöhen? Schwer möglich, da kündigen alle, und dann sind die Verluste noch größer. Einige Anbieter haben den Zugang erschwert – Vorabuntersuchungen, Sperr-/Karenzzeiten, usw. sind Versuche, die Situation in den Griff zu bekommen. Das reicht aber nicht um die Altverpflichtungen kostenmäßig in den Griff zu bekommen. Die Quersubventionierung über Erhöhung der Tarife für Vollversicherte ist auch nur eingeschränkt möglich, da sind die Anbieter auch am Ende angelangt. Also muss etwas Dramatischeres unternommen werden. Und die Absenkung der wichtigsten Honorarpositionen scheint eine elegante Lösung: wenn die Abdingung und private Berechnung von Leistungen weniger einbringt als die normale GKV-Abrechnung (Beispiel: Füllungen!), dann, so das Kalkül; müssen keine Auszahlungen mehr vorgenommen werden, und bis die Leute das gemerkt haben hat die Versicherungswirtschaft Millionengewinne eingefahren. Dass die Politik so willfährig mitgespielt hat ist zumindest verdächtig – man sollte ganz genau im Auge behalten, wer von den Entscheidungsträgern demnächst einen gut dotierten Posten bei der Versicherung erhält. Wenn es auch nicht einfach ist, nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik den Lebensweg weiter zu verfolgen.
Und noch eine ketzerische Überlegung: Wulff, dem zurückgetretenen Präsidenten, hat man hauptsächlich vorgeworfen, Reisen, Autos usw. verbilligt oder gar umsonst angenommen zu haben. Da muss man auch mal hinterfragen: die Medien, insbesondere die Presse, haben ja bisher stets sehr willfährig mitgespielt, wenn es darum ging, (Zahn)Ärzten bösen Willen, Pfusch und Geldgier vorzuwerfen, und, sie berichten aktuell, dass die GOZ 2012 eine deutliche Erhöhung der Zahnarzthonorare gebracht habe. Das können die unmöglich selber rausgefunden haben, weil es ja nachweislich nicht stimmt. Also geben sie etwas wieder, was sie aus unbekannter Quelle mitgeteilt bekommen haben – und da darf man wohl die Versicherungswirtschaft verdächtigen. Nun muss man halt auch wissen, dass Journalisten (also genau die Medienvertreter, die den Präsidenten abgeschossen haben) ebenso Geschenke annehmen: die gehen ohne Bezahlung ins Kino oder Theater, die bekommen deutliche Rabatte beim Autokauf, und man darf spekulieren, dass sie auch Reisen geschenkt bekommen haben, um an schönem Ort die Weisheiten der Versicherungen mitgeteilt zu bekommen…
Nur, da sind wir machtlos – gegen die Medien, da kommt man nicht an!
Stundenlang vor dem Prüfungsausschuss sitzen?
Haben Sie nichts Besseres zu tun?
Die Prüfungsgremien gehen zunehmend dazu über anstatt statistischer Wirtschaftlichkeitsprüfungen Einzelfallprüfungen vorzunehmen, mit (für die Kassen) durchschlagendem Erfolg. Hauptsächlich wird die unzureichende Dokumentation bemängelt, wobei es da ganz schlüssig so ist: nicht richtig dokumentiert = nicht RiLi-gemäß gemacht = falsch abgerechnet. Damit holen sich die Kassen Unsummen an ausgezahltem Honorar zurück, ein gutes Geschäft. Weiterlesen
Präimplantologische Augmentation
unter Verwendung von Knochenersatzmaterial:
Einleitung
Das Anforderungsprofil für Implantationen hat sich verändert. Waren zu Beginn der implantologischen Entwicklung chirurgische Vorgaben, wie lokales Knochenangebot oder Knochendichte, bestimmend, so setzten sich in der Entwicklung des neuen Fachgebiets innerhalb der Zahnheilkunde prothetische und ästhetische Wünsche immer stärker durch. Implantate sollen nicht mehr nur dort gesetzt werden, wo ausreichend Knochen als Implantatbett vorliegt, sondern wo der Prothetiker aus Gründen der Stabilität bzw. Ästhetik diese benötigt. Hier hat die Oralchirurgie überzeugende Antworten gefunden. Durch Augmentationstechniken wird dort Implantatbett gewonnen, wo es benötigt wurde, und Techniken der Knochenpreservation nach Extraktion trugen ebenso zu einer rasanten Verbreiterung des Indikationsspektrums bei wie Methoden der Sofortimplantation, die präventiv der Knochenatrophie entgegenwirkten. Weiterlesen
Ist die GOZ 2012 überhaupt verfassungsgemäß?
Das Verfassungsgericht hat schon früher eine Entscheidung getroffen bezüglich der Hartz IV Höhe, wobei explizit gefordert wurde, dass die Hartz-Sätze „nachvollziehbar“ erklärt sein müssten. Eine willkürliche Höhe der Sätze sei keinesfalls von der Verfassung gedeckt. Weiterlesen
Patientenorientierte Zahnmedizin –
Was wollen die Patienten?
Wirtschaftliches Umfeld
Der Gesundheitsbetrieb – also das Gesundheitswesen – in Deutschland ist heute primär nur auf ökonomische Dinge (man meint „Zwänge“ erfüllen zu müssen) hin ausgerichtet. Diese einseitige Ökonomisierung lasst Patienten von Subjekten (also Individuen mit eigenem Fühlen, Denken und Wollen) zu Objekten werden: für die Kostenerstatter (Kassen und Versicherungen) sind unsere Patienten Kostenfaktoren, für die Leistungserbringer (Krankenhäuser, Zahnärzte, Ärzte und medizinische Hilfsberufe) sind Patienten – das hat man oft genug gehört – Kunden und damit Umsatz- und Gewinnbringer. Weiterlesen
Neue Methoden bei extremer Kieferatrophie
Dr. med. dent. Jan H. Koch, Freising für die DGI
Auch Patienten mit extrem atrophierten Kiefern können durch Knochenaufbauten und Zahnimplantate behandelt werden. Vor- und Nachteile verschiedener Methoden der Augmentation mit Beckenkammknochen beleuchteten Experten auf dem 25. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI). Biologisch begründete Hart- und Weichgewebstechniken spielen bei diesen Verfahren eine zentrale Rolle. Weiterlesen
Und wo bleibt das Fussvolk?!
Wie die «Bild»-Zeitung unlängst berichtete, soll die KBV bis zum 9. März die Verträge nachbessern, in denen das Gehalt des KBV-Chefs Andreas Köhler um 90.000 Euro auf 350.000 Euro im Jahr aufgestockt wurde. Der Gesundheitsminister verlangt, dass die Erhöhung zurückgenommen wird – die KBV hingegen will keinesfalls nachgeben und meint, der KV-Vorsitzende müsse jedenfalls mehr Jahresgehalt erhalten als ein Kassenvorsitzender (die bekommen um die 230 000). Weiterlesen
Es wurde und wird ja viel rumgeredet um die „neue“ GOZ, und das mit ganz unterschiedlichen Beurteilungen. Die Bundes-Zahnärztekammer meint, sie habe erfolgreich Verschlechterungen abwenden können, die Versicherungen sowie die Regierung beklagen eine deutliche Anhebung der Honorare, und etliche Landes-Zahnärztekammern behaupten das glatte Gegenteil. Was ist nun eigentlich wirklich dran an der GOZ 2012? Weiterlesen
Praktische Erfahrungen mit Cerasorb
Primäre und simultane Sinusboden-Augmentation mit CERASORB –
eine Bilanz nach mehr als zehn Jahren Praxiseinsatz
Dr. Edgar Spörlein, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Geisenheim im Rheingau
In den letzten 10 Jahren haben wir alle, d.h., Zahnärzte, Oralchirurgen und MKG-Chirurgen, viel dazugelernt in unserem Bemühen, unsere Patienten optimal und nach aktuellem Stand der Wissenschaft zu versorgen.
Ausgangspunkt war und ist der Zahnverlust, der eine möglichst den Patientenbedürfnissen entsprechende prothetische Versorgung nach sich zieht. Da die schleimhautgetragene Prothese stets als „Prothese“ empfunden wird – zumindest vom Großteil der Patienten – gab es schon sehr früh Bemühungen, Zahnersatz in Form implantatgetragener Rekonstruktionen einzugliedern. Hier gab und gibt es jedoch starke Limitierungen: um erfolgreich implantieren zu können bedarf es eines stabilen und ausreichend dimensionierten Implantatlagers, also genügend Knochen, um darin unser Implantat sicher verankern zu können. Implantate sind anders als Zähne nicht über das Parodont, sondern ankylotisch im Knochen verwachsen. Bei Knochen minderer Qualität und/oder ungenügender Dicke wird die Implantation deutlich erschwert. Insbesondere im Oberkiefer finden wir jedoch oft Knochen geringerer Belastbarkeit (im Vergleich zu mandibulären Strukturen) und meist in nur sehr geringen Stärken vor. Dies ist durch zwei wesentliche Umstände bedingt: zum einen atrophiert der Knochen von oral her, verstärkt durch Extraktionstraumata und schleimhautgetragene Prothesen (Druckatrophie). Zusätzlich finden wir einen Rückgang des Knochens von innen her durch die Pneumonisierung der Kieferhöhlen mit der Folge, dass nach relativ kurzer Zeit post extraktionem nur noch dünne Knochenlamellen zwischen Kieferhöhle und dem oralen Cavum existieren. Das macht eine Implantation unmöglich. Weiterlesen
Patientenrechte:
Herausgabe von Behandlungsunterlagen nur in Kopie und gegen Entgelt!
Ein Patient darf in „öffentliche“ Behandlungsunterlagen vor Ort (in der Praxis) Einsicht nehmen oder kann alternativ gegen angemessenen Kostenersatz Kopien anfordern, so ein Urteil des OLG Frankfurt (AZ 8W20/11). Kosten – hierzu zählen Porto sowie Kopierkosten, die korrekt berechnet sicherlich knapp 1 € pro Seite betragen dürften; die Kampfpreise der Kopierläden sind ja bei Bürokopierern nie realisierbar.
Es ist stets zu empfehlen aufgrund der neuen Patientenrechte „öffentliche“ und „private“ Unterlagen getrennt zu führen. Beispiel: man empfindet einen Patienten als Oralferkel, so sollte man das nicht in die offizielle Karte eintragen, sondern in eine parallele Handakte. Man könnte sich sonst eventuell Ärger einfangen – und andererseits sollte man ja tatsächlich Besonderheiten (z.B. Querulant) irgendwo vermerken, das Gedächtnis könnte einem sonst einen Streich spielen.
Z.B. schlechte Zahlungsmoral hingegen kann man ohne weiteres in die öffentlich zugängliche Akte eintragen.
Man kann auch Kürzel verwenden, die nicht Jedem verständlich sein müssen (darin können dann die heiklen Zusatzinformationen versteckt werden).
Die Krankenakten müssen jedenfalls den Kostenträgern (GKV) sowie den nachfragenden Patienten verfügbar gemacht werden, das hat der Gesetzgeber so bestimmt. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die Prüfstellen der KZV – und das kommt immer häufiger vor – Behandlungsunterlagen anfordern. Wohl dem, der nur noch digital arbeitet, denn, im Fall von Unterlagen sollte man keinesfalls Originale einreichen, auch nicht Röntgenbilder. Die Praxis bleibt stets verantwortlich für diese, und falls Unterlagen verlorengehen (da hilft auch Einschreiben nichts, weil, in der KZV kommen die gar nicht so selten ebenso weg wie z.B. beim Finanzamt Steuerunterlagen) haftet der Zahnarzt alleine – also stets nur Kopien einreichen!

